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Geschichte  des  esens  in  Deut-chland.  IF

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als  eine  Sache  der  Bedienten  anzusehen,  übt  ihren  verderblichen  Einlu
  auch  auf  das  deutsche  Familienleben  aus  und  vergiftete  sranz
besonders  die  Mädchenerziehunge.

Immerhin  kommt  mit  diesen  glänzenden  äußeren  Formen  doch
auch  ein  wertvoller  geistiger  Besitz  in  die  deutsche  Kultur:  die  Errungenschaften
  der  französischen,  englischen  und  holländischen  Aufklärung,
  die  freilich  zuerst  nur  von  ciner  geringen  Zahl  führender
Geister  angeeignet  werden  konnten,  aber  schließlich  doch  auch  in
dem  Erziehungswesen  ihren  Niederschlag  fanden.  Für  die  Mädchenerzichung
  gewann  besonders  Fenelons  „Traite  sur  l’Education  des
Filles‘!)  Bedeutung.  Die  methodischen  Grundsätze  dieser  psychologisch
  so  feinen  Mädchenerziehungslichre  beruhen  auf  der  Philosophie
des  Descartes.  Ihre  praktischen  Vorschläge  entsprechen  im  wesentlichen
  auch  deutschen  Verhältnissen  so  gut,  dafs  sie  zum  Teil  ohne
weiteres  übernommen  werden  konnten.  Die  Autorität,  die  einem
französischen  Geisteserzeugnis  in  Deutschland  damals  von  vornherein
zugesprochen  wurde,  sicherte  Fenelons  Werk  einen  großen  Einfluß.
Er  zieht  den  geistigen  Horizont  der  Frau  der  gebildeten  Stände
weiter,  als  es  irgend  jemand  vor  ihm  getan  hatte.  Es  entsprach  den
herrschenden  französischen  Anschauungen,  wenn  Fenelon  die  Erziehung
  der  Mädchen  ausschließlich  dem  Hause  anzuvertrauen
wünschte;  den  Staat  wollte  er  nur  insofern  daran  beteiligen,  als  er
ihm  die  Ausbildung  von  Erzieherinnen  zur  Pflicht  machte.

Die  Anregungen  Fenelons  und  Seckendorffs  trafen  vermutlich
zusammen  bei  der  Begründung  der  ersten  deutschen  höheren  Mädchenerziehungsanstalt,
  nämlich  des  von  August  Hermann  Francke  in
seinen  Stiftungen  zu  Halle  begründeten  „Gynacceums“.  August
Hermann  Francke  hatte  eine  Übersetzung  von  Fenelons  Abhandlung
herausgegeben?)  er  staad  vermutlich  auch  in  Bezichungen  zu  Seckendorfi,
  der  die  letzten  Jahre  seines  Lebens  in  Halle  zubrachte.  Das
Gynacceum  ist  seinem  ganzen  Charakter  nach  eine  Nachbildung  der
Mädchenerzichungsanstalt  der  Frau  von  Maintenon  zu  St.  Cyr  auf
deutschen  Boden.3)  Die  Hinrichtung  ist  ganz  und  gar  den  Bedürfnissen
  der  vornehmen  Gesellschaft  angepaßt,  in  mancher  Beziehung

I)  Vgl.  dazu  Ev.  Sallwurk:  Fendlon  und  die  Literatur  der  weiblichen  Bildung
in  Frankreich.  Langensalza  1806.

&gt;}  Von  der  Erziehung  der  Töchter:  durch  den  Herrn  Abt  von  Fenelon.  Hall:  1698.

3,  Franckes  pädagogische  Schriften,  herausgegeben  von  D.  G.  Kramer  (l.ingensuiza
  1876)  enthalien  die  llausordnung  für  das  Gwnascenmm,  „die  Anstalt  fur  Ihren
Standes,  adeliche  une  sonst  fürnehmer  heut  Töchter“.