1:3}

Geschichte  des  Mädch

ens  in  Deutschland.  273

an
B  eG:

In  allen  diesen  Schriften  Ainden  wir  eine  deutliche,  wenn  auch
häufig  nicht  besonders  ausgesprochene  Frontstellung  gegen  die  1793
erschienene  Schrift  von  Hippel:  „Über  die  bürgerliche  Verbesserung
der  Weiber.“  Seinen  Anschauungen  gegenüber  stellen  sich  alle  diese
Erziehungsschriften  ausdrücklich  auf  die  Grundlage  der  Differenziertheit
der  Geschlechter  und  lehnen  die  Forderungen,  die  er  in  bezug  auf  die
bürgerliche  Gleichstellung  der  Frau  und  des  Mannes  erhoben  hat,
dirckt  oder  indirekt  ab.

So  lange  die  Betonung  dieser  seclischen  Verschiedenheit  der
Geschlechter  mit  einer  so  feinen  und  tiefen  Auffassung  des  weiblichen
Wesens  und  einer  so  rückhaltlosen  und  vornehmen  Würdigung  ihrer
geistigen  Bedürfnisse  Hand  in  Hand  ging,  wie  bei  Schleiermacher  und
Jean  Paul,  bedeutete  sic  entschieden  eine  erhebliche  Verfeinerung  der
Mädchenerziehung  im  Gegensatz  zu  den  flachen  und  groben  Nützlichkeitsgrundsätzen
  der  Rationalisten.  Aber  die  ganze  Auffassung  birgt
doch  eine  gewisse  Einscitigkeit,  die  schr  stark  hervortreten  mußte,
wo  diese  Anschauungen  in  die  Niederungen  hinab  stiegen,  von
weniger  großen  Geistern  übernommen  und  praktisch  durchgeführt
wurden.

Um  zu  zeigen,  wie  diese  Gedanken  über  das  Wesen  des  Weibes
auf  die  Mädchenschule  praktisch  einwirkten,  sei  das  Programm  einer
Mädchenschule  zu  Berlin,  die  von  dem  damals  viel  wenannten
Direktor  Spilleke  im  Anschluß  an  seine  Realschule  eingerichtet
worden  war,  hier  angeführt.  Spilleke  macht  den  I.chrplan  für  seine
Unterrichtsanstalt  nach  folgendem  Schema:

1.  Unmittelbarer  Keligionsunterricht.
A.  Unterrichtsgegenstände  zur  Erwerkung  2.  Gesang.
des  religiösen  und  sittlichen  Sinnes.  |  3.  Naturkunde.
4.  Geschichte.
1.  ‚Deutsch.
B.  Unterrichtsgegenstände  zur  Erweckung  |  2.  Schreiben.
.  nzdhutsen  3.  Zeichnen.
und  Bildung  des  Schönheitssinnes.  ,
4.  Gesang.
|  5,  Handarbeiten.
C,  Unterrichtsgegenstände  zur  Bildung  des  4  1.  Deutsch.
Verstandes.  \  2.  Rechnen.
1.  Deuısch.
I).  Unterrichtsgegenstände,  die  sich  auf  |  2.  Rechnen.
die  künftige  Stellung  in  den  äußeren  „  3.  Schreiben.
Verhältnissen  bezichen.  4.  Handarbeiten.
|  5.  Neuere  Sprachen,  besonders  Französisch.

Dieses  Schema  umfaßt  eine  ganze  Mädchenschulpädagogik  und
könnte  garnicht  bezeichnender  die  einseitige  Unterordnung  aller

bar  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  1  18