330  Das  Mädchenschulwesen.

segeben,  da  sie  der  künftigen  Gestaltung  die  Richtung  gegeben  haben
und  gewissermaßen  die  Quintessenz  der  herrschenden  Ansichten  über
den  Inhalt  der  höheren  Mädchenbildung  darstellen).

f.  In  der  Keligion  sind  die  Ziele  im  allgemeinen  dieselben  wie  in  der  Mittelschule
  für  Knaben,  unter  besonderer  Betonung  der  ethischen  Seite  und  mit  der  durch
die  vorgeschrittene  allgemeine  Bildung  der  Mädchen  bedingten  Erweiterung.

2.  In  der  deutschen  Sprache:  Befühigung  der  Schülerinnen  zu  richtiger
und  gefälliger  zusammenhängender  mündlicher  und  schriftlicher  Darstellung  von  Gegenständen,
  die  in  ihrem  Anschauungskreise  liegen,  Kenntnis  der  Grammatik  der  Muttersprache.
  Bekanntschaft  mit  den  dem  Bildungsstande  der  Mädchen  entsprechenden  Hauptwerken
  der  deutschen  Dichtung  und  mit  den  Hauptepochen  der  deutschen  L.iteratur-Geschichte
  unter  Bevorzugung  der  Zeit  nach  l.uther.

3.  In  der  französischen  Sprache:  Kenntnis  der  Grammatik,  Formenlehre
und  Syntax,  Befähigung,  Briefe  und  kleine  Aufsätze  über  Dinge  aus  dem  Anschauung--kreise
  der  Mädchen  im  ganzen  richtig  in  französischer  Sprache  zu  schreiben  und  über
solche  Gegenstände  in  einfachen  Sätzen  mit  richtiger  Aussprache  französisch  zu  sprechen.
Befähigung,  ein  französisches  Buch  zu  lesen.  Bekanntschaft  mit  den  Hauptwerken  der
französischen  L.iteratur  aus  den  klassischen  l’erioden.

4.  In  der  englischen  Sprache  sind  die  Ziele  dieselben  wie  in  der  französischen
  Sprache,  namentlich  ist  auch  Bekanntschaft  mit  den  Hauptwerken  der  englischen
Literatur  zu  verlangen.

5.  Geschichte:  Kenntnis  der  Haupttatsachen  der  allgemeinen  Geschichte,  bezüglich
  der  alten  Geschichte  besonders  aus  der  der  Griechen  und  Römer.  Kenntnis  der
vaterländischen,  d.  i.  der  deutschen  Geschichte  in  ihrem  Zusammenhange  und  in  ihren
Beziehungen  zu  den  Nachbarstaaten.

6.  In  der  Geographie:  Bekanntschaft  mit  der  physischen  und  politischen
Geographic  aller  fünf  Erdteile;  nähere  Kenntnis  der  Geographie  Europas  und  genauere
Kenntnis  der  Geographie  Deutschlands.  Die  Hauptsachen  aus  der  mathematischen  und
physikalischen  Geographie.

7.  Im  Rechnen:  Bekanntschaft  mit  den  bürgerlichen  Rechnungsarten,  den
geltenden  Münz-  und  Maßsvstemen  ;  Befähigung,  Aufgaben  aus  denselben  in  ganzen  und
gebrochenen  Zahlen,  beziehungsweise  Dezimalbrüchen  selbständig  sicher  und  richtig  zu
lösen;  lertigkeit  im  Kopfrechnen,  Raumberechnungen.

8.  Inder  Naturbeschreihung:  Bekanntschaft  mit  der  Naturgeschichte
aller  drei  Reiche,  namentlich  mit  den  hervorstechenden  Typen  und  Familien,  speziell  aus
der  Heimat  ;  nähere  Bekanntschaft  mit  den  Kultur-  und  Giftpflanzen.  Einige  Kenntnis
von  der  Bildung  und  dem  Bau  der  Iirde.

9.  Inder  Naturlehre:  Allgemeine  Bekanntschaft  mit  den  magnetischen,  elektrischen,
  mechanischen  Erscheinungen,  sowie  mit  denjenigen  des  Lichtes,  der  Wärme,  dex
Schalles,  insbesondere  Verständnis  derjenigen  physikalischen  Gesetze,  welche  im  gewöhnlichen
  Leben  und  in  den  Hauptgewerben  Anwendung  finden.  Bekanntschaft  mit  den
I:lementen  der  Chemie,  soweit  sie  zum  Verständnis  der  pewöhnlichsten,  im  Hause  vor
kommenden  Erscheinungen  erforderlich  ist.

10.  Im  Zeichnen:  bis  zum  perspektivischen  Zeichnen.

11.  Im  Schreiben  müsse  jeder  einzelne  Lehrer  auf  gute  Schrift  halten,  dann
sei  in  den  Oberklassen  ein  besonderer  Schreibunterricht  nicht  notwendig.

Die  Ziele  der  mittleren  Mädchenschule  wiesen  dem  gegenüber
eine  Beschränkung,  vor  allen  Dingen  nach  der  Seite  der  Literatur