Geschichte  des  Mädchenbild  esens  in  Deutschland.  233

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institute  suchten  Lehrerinnen  auszubilden  in  der  Form,  wie  es  etwa
heute  noch  in  Rußland  geschieht:  den  älteren  Schülerinnen  der
höheren  Mädchenschule  wird  im  letzten  Jahrgang  etwas  Pädagogik
bsigcbracht,  sodaß  sie  dann  mit  dem  Abschluß  der  Schule  zugleich
  die  Befähigung  besitzen,  Unterricht  zu  erteilen.  Eine  rühmenswerte
  Ausnahme  sind  die  in  Westfalen  von  Bernhard  Overberg
errichteten  „Normalkurse‘  für  Lehrerinnen.  OÖverberg  selbst  zog  in
der  Mädchenschule  l.ehrerinnen  entschieden  den  Lehrern  vor,  und
die  von  ihm  ausgebildeten  I.chrerinnen  bewährten  sich  gut.  Ein
Bericht  des  königlichen  Konsistoriums  zu  Münster  stellte  fest,  daß  die
von  Lehrerinnen  geleiteten  Schulen  sich  im  Durchschnitt  in  einem
besseren  Zustande  befänden,  als  die  der  Lehrer,  weil  sich  die  Lehrerinnen
  in  der  Regel  durch  mehr  Fleiß  und  Amtstreue,  sowic  durch
mehr  Gewandtheit  in  der  Behandlung  der  Jugend  vor  den  Lehrern
auszeichneten!).  Ein  anderer  Versuch  in  Preußen,  der  einige  Beachtung
  fand,  ist  im  Anfang  des  Jahrhunderts  die  Gründung  eines
l.chrerinnenseminars  in  Berlin  durch  eine  Frau  von  Krosigk;  sie
scheint  aber  ihrer  Aufgabe  und  vor  allem  der  geschäftlichen  Leitung:
der  Sache  nicht  gewachsen  gewesen  zu  sein:  die  Kriegsjahre  kamen
dazu,  und  das  Seminar  ging  bald  wieder  ein.

An  ihr  Vorgehen  anknüpfend,  wurde  dann  im  Jahre  1811  in
Berlin  die  Königliche  Luisenstiftung  gegründet,  in  der,  wie  es  in
dem  ersten  Programm  der  ‚Anstalt  heißt,  „junge  Mädchen,  welche  für
das  häusliche  oder  öffentliche  Erziehungswesen  sich  zu  bilden
wünschten,  die  Geschäfte  der  Hausfrau  und  Lehrerin  ausübend  zu
lernen  Gelessenheit  fanden,  indem  sie  unter  entsprechender  Anleitung
und  in  zweckmäßiger  Umgebung  Erzieherinnen  jüngerer  Mädchen
wurden“.  Diese  Erzicherinnen  wurden  im  Alter  zwischen  18  und  22
Jahren  in  der  Anstalt  aufgenommen  und  blieben  dort  drei  Jahre,  um
während  dieser  Zeit  teils  wissenschaftlich,  teils  methodisch  und  praktisch
durch  Hospitieren  und  durch  eigene  Unterrichtsübungen  ausgebildet
zu  werden;  sie  erhielten  am  Schlusse  ein  Zeugnis,  das  ihre  Befähigung
zur  Ertsilung  von  Unterricht  nachwies.  Die  Stiftung  b&gt;stcht,  indem
sie  sich  selbstverständlich  der  modernen  Veränderung  des  Lchrerinnenbildunsswesens
  angepaßt  hat,  bis  auf  den  heutigen  Tag.

Die  Gründung  eines  staatlichen  L&lt;hrerinnenseminars  wurde  auch
zwischen  1824  und  1836  in  Bayern  unternommen,  wo  bis  dahin  Lchrerinnen
  nur  so  ausgebildet  waren,  daß  sie  die  Münchener  Feiertags-Iy

  Nach  Beckedorfs  Jahrbüchern.  2.  Bd.  8.  277.