338  Das  Mädchenschulwesen.

bestand  auch  in  Preußen  darin,  daß  man  von  den  l.ehrerinnen  nicht
wie  von  den  Lehrern  cine  Wiederholungsprüfung  nach  zweijähriger
Dienstzeit  verlangte.

In  den  meisten  übrigen  deutschen  Staaten  sind  von  vornherein
die  Anforderungen  an  die  Lehrerinnen  den  an  die  I.chrer  gestellten
mehr  angeglichen  worden.  In  allen  größeren  Bundesstaaten,  aufser
in  Preußen,  sind  auch  die  Lehrerinnen  zu  ciner  Wicderholungsprüfung,
  nach  der  erst  die  definitive  Anstellung  erfolgt,  verpflichtet.

Die  Ordnung  des  Mädchenschulwesens  und  der  Lehrerinnenbildung,
  wie  sie  im  Anschluß  an  die  August-Konferenz  erfolgt  war,
erfuhr  nun  von  verschiedenen  Seiten  Kritik  und  Widerspruch;  dabei
gcht  die  Entwicklung  des  Mädchenschulwesens  und  des  Lehrerinnenstandes
  häufig  so  ineinander  über,  daß  sie  sich  in  bezug  auf  diese
letzten  Jahrzelinte  kaunı  getrennt  darstellen  läßt.

3.  Moderne  Bewegungen  und  Umgestaltungen  auf  dem

Gebicte  der  höheren  Frauenbildung.

Das  höhere  Mädchenschulwesen  in  Preußen  entwickelte  sich,
ohne  daß  die  Beschlüsse  der  August-Konferenz  irgend  welche  wesetzliche
  Kraft  erlangt  hätten,  doch  nach  den  hier  gegebenen  Richt-Iinien;
  ja,  man  darf  sagen,  dat  auch  in  den  übrigen  deutschen  Staaten,
dank  der  gemeinsamen  Organisation  der  deutschen  Mädchenschul-Ichrer
  und  l.chrerinnen  in  dem  schon  genannten  „deutschen  Verein
für  das  höhere  Mädchenschulwesen“  die  August-Konferenz  bezw.  die
Weimarer  Beschlüsse  die  Grundlage  für  die  innere  und  äußere  Gestaltung
  des  höheren  Mädchenschulwesens  wurden.

Weniger  an  der  äußeren  Organisation  als  an  dem  inneren
Charakter  der  auf  diese  Weise  als  Norm  gesetzten  Bildung  der  höheren
Mädchenschule  wurde  nun  aber  von  verschiedenen  Seiten  Kritik  jreübt.
Die  erste,  die  schon  auf  der  Weimarer  Versammlung  selbst  sehr
heftig  zum  Ausdruck  kanı,  ging  aus  den  Kreisen  der  Privatschule
hervor.  Die  Wortführer  auf  der  Weimarer  Konferenz  waren  zum
sroßen  Teil  Vertreter  der  öffentlichen  höheren  Mädchenschulen  wewesen,
  und  ihre  Beschlüsse  hatten  das  Interesse  dieser  Anstalten  zunı
Ausgangspunkt.  Tatsächlich  war  aber  auch  die  Privatschule  sowohl  in
bezug  auf  ihre  äußere  Ausdehnung  als  auch  in  bezug  auf  ihre  Leistungen
ein  ganz  wesentlicher  und  nicht  zu  überschender  Faktor  innerhalb
des  höheren  Mädchenschulwesens.  Die  Einwände,  die  von  den  Vertreten
  der  Privatschule  in  einer  eigenen  Denkschrift  gegen  die