Geschichte  des  Mürchenbildungswesens  in  Deutschland.  BO

Weimarer  Denkschrift  erhoben  wurden,  lagen  zum  Teil  im  Interesse
ihrer  Selbsterhaltung,  zun  Teil  gingen  sie  aus  pädagogischen  Erfahrungen
  hervor,  die  man  gerade  hier  zu  machen  Gelegenheit  hatte.
Man  betonte  vor  allem,  daß  der  Charakter  der  "Privatschule,  die
naturgemäß  nicht  zu  einem  solchen  Riesenorganismus  ausgestaltet
werden  konnte,  wie  dic  öffentliche  höhere  Mädchenschule,  der  Eigenart
der  Mädchen  und  den  Erzichungsaufgaben  gerade  ihnen  gegenüber
besser  entspreche.  Man  wandte  sich  gegen  die  Normierung  des  L.chrganges
  auf  zehn  Schuljahre  und  meinte  im  Gegenteil,  daß  die  eigrentliche
  Schulzeit  für  die  Mädchen  sachiremäßer  nur  neun  Jahre  umfassen
und  daß  das  zehnte  Schuljahr  ciner  nicht  mehr  ganz  schulmäßigen
  Weiterbildung  in  den  besonderen  Aufgaben  der  Frau  durch
Pädagogik,  praktische  Beschäftigung  im  Kindergarten  usw.  gewidmet
sein  sollte.  Vor  allem  aber  betonte  man,  daß  im  Interesse  der  erzichlichen
  Aufgaben  der  Mädchenschule  die  Mitwirkung  der  l.chrerinnen
  auch  auf  der  Oberstufe  eine  viel  größere  sein  müsse,  als  man
in  \Weimar  vorgeschen  habe;  man  sah  wohl  ein,  dass  die  übliche
einfache  Lehrerinnenbildung  für  diesen  Unterricht  auf  der  Oberstufe
noch  nicht  ausreiche  und  forderte  deshalb  eine  Art  von  Akadeniien,
auf  denen  bereits  im  Anıt  stehende  T.chrerinnen  sich  durch  eine
wissenschäftliche  Weiterbildung  die  Verwendbarkeit  auch  auf  der  Oberstufe
  erwerben  könnten.

Andere  Einwände  gegen  die  Weimarer  Beschlüsse  ergaben  sichı
aus  den  Gesichtspunkten,’  die  die  immer  mehr  dem  allgemeinen  Bewußtsein
  sich  aufdrängende  Frauenfrage  für  bestimmte  Kreise  der
Bevölkerung  in  den  Vordergrund  der  Betrachtung  gedrängt  hatte.
Einmal  konnte  man  geltend  machen,  daß  die  Frau  nicht  mehr,  wie
bei  der  Neugestaltung  des  höheren  Mädchenschulwesens  immer  noch
die  Voraussetzung  gewesen  war,  ihren  späteren  Wirkungskreis  ausschließlich
  im  Hause  fand,  sondern  daß  vielmehr  die  Verhältnisse,
wie  sie  sich  nun  einmal  gestaltet  hatten,  an  die  höhere  Mädchenschule
die  Forderung  stellten,  die  Frau  auch  für  die  harten  Ansprüche  des
Berufslebens  auszurüsten;  andererseits  wurde  auch  hervorgehoben,
dat  die  Aufgabe  der  Mutter  und  Hausfrau  unter  den  modernen  Verhältnissen
  eine  selbständigere  geistige  Schulungs  nötig  mache,  als  die
Mädchenschule  sie  auch  jetzt  noch  zu  gewähren  geneigt  war.  Man
verheblte  sich  nicht,  daß  der  Inhalt  der  in  der  Mädchenschule  gewährten
  Bildung  immer  noch  an  einer  gewissen  ästhetischen  Einseitirkeit
  leide,  die  auch  in  der  Formulierung  der  Aufgaben  der
höheren  Mädchenschule  durch  die  Weimarer  Konferenz  wieder  deut-Das

  Unterrich  on  im  D  h  Reich  IM.  19