Geschichte  des  Mäclchenbildungswesens  in  Deutschland.  93%

Forderungen  schlossen  sich  nun  unter  Führung  von  Helene  Lange,
Marie  l.ocper-Housselle  und  Auguste  Schmidt  die  l.ehrerinnen
zu  einer  eigenen  Organisation,  dem  „Allgemeinen  deutschen  L.ehrerinnenverein“
  zusammen.  Dieser  beschloß  gleich  auf  seiner  ersten
Generalversammlung  in  Jahre  1891,  durch  eine  Petition  an  die  deutschen
  Staatsregierungen  um  eine  gründliche  wissenschaftliche  Bildunır
der  l.ehrerinnen  für  die  höhere  Mädchenschule  nachzusuchen.  Gleichzeitig
  hatte  auch  der  deutsche  Verein  für  das  höhere  Mädchenschulwesen
  eine  Abteilung  für  l.cehrerinneninteressen  gegründet,  und  auch
von  dieser  war  einc  Petition  ähnlichen  Inhalts  an  die  Staatsregierungen
abgesandt  worden.  Die  auf  diese  Petition  erfolgende  Antwort  stellte
sich  zu  den  erhobenen  Forderungen  wohlwollend  und  verwies  auf  eine
bereits  in  Aussicht  genonmmene  weitere  FKrörterung  der  Frage  innerhalb
  des  Ministeriums.

Der  Erfüllung  dieser  Petition  war  bereits  in  gewissenı  Sinne
vorgearbeitet  worden  durch  die  Begründung  des  Viectoria-Lyzeums
zu  Berlin,  einer  Anstalt,  die  schon  seit  dem  Jahre  1868  bestand  und
der  wissenschaftlichen  Weiterbildung  erwachsener  Frauen  dienen  sollte.
Seit  dem  Jahre  1888  hatte  das  Victoria-Lyzeum  besondere  wissenschaftliche
  Kurse  für  I.chrerinnen  eingerichtet  und  den  Teilnehnierinnen
  Gelegenheit  zu  einer  Abschlußprüfung  wereben,  an  der  sich
Vertreter  der  Regierung  beteiligten.  Um  eine  solche  Prüfung  zu  bestehen,
  mußte  die  Bowerberin  einem  Fach  drei  Jahre  lang  cin  Studium
gewidmet  haben,  das  dem  Universitätsstudium  seinem  Wesen  nach
etwa  entsprach.  Im  Jahre  1893  wurde  eine  ähnliche  Anstalt  im  Göttingen
bessründet;  an  den  Zweck  und  die  Ziele  dieser  beiden  Anstalten
knüpfte  denn  auch  die  weitere  Entwicklung  der  L.chrerinnenfrage  an.

Infolse  der  Verhandlungen  über  den  Normallehrplan  von  18806
innerhalb  des  deutschen  Vereins  für  das  höhere  Mädchenschulwesen
hatten  sich  von  diesem  Verem  eine  Reihe  preußischer  Mitglieder  und
Zweigvereine  getrennt  und  1897  einen  „preußischen  Verein  für  öffentliche
  höhere  Mädchenschulen“  begründet.  Dieser  Verein  reichte  im
Jahre  1892  dem  preußischen  Kultusministerium  neue  Vorschläge  für
die  Ausgestaltung  der  höheren  Mädchenschule  ein.  In  bezug  auf  die
Leehrzicle  stellt  man  sich  im  großen  und  ganzen  auf  den  Boden  der
Weimarer  Beschlüsse  und  der  August-Konferenz;  und  in  bezug  auf
die  äußere  Organisation  gab  man  diesen  Beschlüssen  eine  sehr  viel
schärfere  Fassung;  man  wollte  cine  strengere  Trennung  zwischen
mittleren  Mädchenschulen  und  sogenannten  Obermädchenschulen
herbeigeführt  wissen,  und  die  Fassung  der  Petition  ließ  darauf  schließen,