Geschichte  des  Mädchenbildungswesens  in  Deutschland.  I

seine  Arbeitsgebiete  gut  funktionierende  Zentralen  geschaffen.  Ähnlich
wie  in  Preußen  sind  Landesverbände  von  l.ehrerinnen  auch  in  anderen
deutschen  Staaten  zusammengetreten,  z.  B.  in  Sachsen,  Bayern,
Württemberg  usw.  Wertvolles  für  die  Bildung  der  l.chrerinnen  leisten
besonders  die  ausländischen  Zweigvereine  des  Allgemeinen  deutschen
l.chrerinnenvereins;  solche  bestehen  in  England  unter  der  Leitung  von
Fräulein  Helene  Adelmann,  in  Frankreich  unter  der  leitung  von
Fräulein  Schliemann,  in  New-York,  in  Italien,  in  Buenos  Aires.
Ihre  Aufgabe  ist  cs,  den  ins  Ausland  gchenden  Lehrerinnen,  die  dort
entweder  ihre  Sprachkenntnisse  enveitern  oder  auch  Erzicherinnenstellen
  ausfüllen  wollen,  einen  Rückhalt  zu  bieten  und  ihr  Interesse
nach  jeder  Richtung  hin  wahrzunehmen.  Es  sind  z.  B.  sowohl  in
l.ondon  wie  in  Paris  Ausbildungskurse  für  die  englische  und  französische
Sprache  von  ihnen  eingerichtet  worden;  beide  Vereine  unterhalten
eine  umfangreiche  Stellenvermittlung.  Der  englische  Verein  besitzt
ein  geräumiges  Heim  mit  Sanatorium  und  ein  Rekonvaleszentenheim
  in  einem  Vorort  von  London.  Das  Gebiet  der  höheren
Mädchenschule  wird  innerhalb  des  Allgemeinen  deutschen  L.ehrerinnenvereins
  durch  eine  Sektion  für  höhere  und  mittlere  Schulen  vertreten,
während  eine  Musiksektion  mit  ca.  WO  Mitgliedern  für  die  Interessen
der  Musiklehrerinnen  und  des  Gesangunterrichts  in  der  Mädchenschule
eintritt,  und  cin  l.andesverein  preußischer  technischer  Lehrerinnen
die  wirtschaftliche  und  geistige  Flebung  der  technischen  l.chrerinnen
fördert.  Die  katholischen  T.ehrerinnen  gehören  zum  größeren  Teil
einem  besonderen,  ausgesprochen  konfessionellen  Verein,  der  jetzt
ca.  7WO  Mitglieder  umfaßt.

Das  Organ  des  Allgemeinen  deutschen  Lehrerinnenvereins  ist
„Vie  Lehrerin  in  Schule  und  Haus“,  herausgegeben  von  Frau  Marie
l.oeper-Housselle;  die  Zeitschrift  für  weibliche  Bildung,  die  das
Örgan  des  deutschen  Vereins  für  das  höhere  Mädchenschulwesen  war,
ist  vor  wenigen  Jahren  eingegangen  und  an  ıhre  Stelle  ist  die  bedeutend
  erweiterte  Zeitschrift  „Frauenbildung“,  von  Herrn  Professor
Dr.  Wychgram  geleitet,  getreten.

Um  die  Entwicklungstendenzen  auf  dem  Gebiete  der  höheren
Mädchenschule,  die  sich  besonders  in  letzter  Zeit  geltend  gemacht
haben,  zu  verstehen,  müssen  wir  einen  Blick  werfen  auf  die  Entwicklung
  des  Frauenstudiums.  Die  Ausgestaltung  der  höheren  Mädchenschule
  nämlich  wird  augenblicklich  unter  einem  doppelten  Gesichtspunkt
  gefordert:  einmal,  um  den  Mädchen  eine  Vorbildung  zu  geben,
die  sie  berechtigt,  später  cinen  höheren  akademischen  Beruf  zu  er-