310  Das  Madchenschulwesen.

ZWEITER  ABSCHNITT.

Der  gegenwärtige  Stand  des  Mädchenschulwesens  in
Deutschland.

Vorbemerkung.

Für  eine  Übersicht  über  den  Stand  des  Mädchenschulwesens  in
Deutschland  ist  das  Einteilungsprinzip  gegeben.  Da  das  gesamte
Unterrichtswesen  in  Deutschland  Sache  der  Einzelstaaten  ist,  so  ist
es  systematisch-statistisch  nicht  anders  als  nach  seiner  politischen
Zugehörigkeit  darzustellen.  Denn  trotz  der  Gemeinsamkeit,  die  sich
durch  die  pädagogische  L.iteratur,  die  deutsch-nationalen  Vereinsverbände
  der  IJ.chrkräfte,  die  gegenseitisre  Anerkennung  der  in  den  verschiedenen
  Bundesstaaten  ausgegebenen  Prüfungszeupnisse  und  noch
so  vieles  andere  hergestellt  hat,  sind  doch  die  einzelnen  Gebiete  des
Mädchenschulwesens  nach  Verwaltung  und  äußerer  Organisation  so
mannigfach  unterschieden,  wie  nach  ihrem  durch  die  historische  Entwicklung
  und  dic  kulturellen  Verhältnisse  des  Landes  bedingten
inneren  Charakter.  Und  alle  diese  Verschiedenheiten  könnte  eine
nicht  nach  politischen  Gesichtspunkten  gruppierende  Darstellung
kaum  richtig  erfassen.  Auch  die  Statistik  ist  nach  dem  von  den
Kinzelstaaten  zur  Verfügung  gestellten  Material  nicht  unter  einheitlichen
  Gesichtspunkten  zu  behandeln.  Hier  ist  ein  schr  ausgedehntes
Privatschulwesen  nicht  in  die  amtliche  Statistik  einbezogen,  dort  sind
die  zwischen  Volksschule  und  höherer  Mädchenschule  stehenden  Anstalten
  statistisch  nicht  von  den  Volksschulen  getrennt,  in  einem
dritten  Tande  sind  in  derselben  Kategorie  Knaben-  und  Mädchenschulen
  zusammengenommen:;  wieder  in  ceimem  anderen  gilt  das
gleiche  vom  Fortbildungsunterricht  oder  von  der  Lchrerinnenbildung
—  es  ist  nicht  anders  möglich,  als  die  statistischen  Einteilungsprinzipien
  dein  Material  des  einzelnen  Landes  anzupassen.

Noch  ein  anderer  Grund  erschwert  gerade  im  Augenblick,  einen
Querschnitt  des  gesamten  Frauenbildungswesens  zu  geben,  der  wirklich
  das  Wesentliche  und  in  gewissem  Sinn  Bleibende  darbietet,  und