340  Dax  Mädchenschulwesen.

Die  pädagogische  Ausbildung  wird  in  dem  Lehrerinnenseminar,
dessen  Stundentafel  zuerst  angegeben  war,  in  folgender  Form  gehandhabt:
  Neben  dem  theoretischen  Unterricht,  der  im  III.  Seminar
Geschichte  der  Pädagogik  (Privatlektüre:  Luthers  pädagogische
Schriften,  Salzmann:  Ameisenbüchlein,  v.  Rochow:  Geschichte  meiner
Schule),  im  N.  neben  Geschichte  systematische  Pädagogik  und
Methodik  (Privatlektüre:  Pestalozzi:  Wie  Gertrud  ihre  Kinder  Ichrt,
Rousseau:  Emile),  im  I.  hauptsächlich  Systematik  und  Methodik
umfaßt,  werden  praktische  Übungen  mit  den  beiden  ersten  Seminarklassen
  getricben.  Dafür  gilt  folgender  „Übersichtsplan“:

Seminar  Il.

N.  Um  die  jungen  Mädchen  zum  Unterrichten  vorzubereiten  und  sie  in  den
praktischen  Beirieb  des  Schulunterrichts  einzuführen,  huspitieren  sie  nach  einem  bestimmten
  Plwme  während  des  ganzen  Jahres  in  einer  Stunde  wöchentlich  in  Gruppen  von
4—5  in  den  einzelnen  Unterrichtsfächem  der  verschiedenen  Klassen  der  Höheren  Töchterschule;
  nach  cinem  Zeitraume  von  ungefähr  5  Wochen  tritt  cin  Wechsel  im  Besuch
der  Klassen  ein  (jährlich  also  7—8  mal),  sodaß  die  jungen  Mädchen  des  II.  Seminars
Gelegenheit  haben,  fast  den  gesamten  Unterrichtsbetrieb  in  den  Unter-,  Mittel-  und  Oberklassen
  aus  eigener  Anschauung  kennen  zu  lernen.  Auf  die  zweckmäßige  Auswahl  und
Festlegung  dieser  Stunde  wird  bei  Aufstellung  des  Stundenplans  ganz  besonders  Gewicht
gelegt.
Um  diese  Hospitierstunde  so  nutzbringend  wie  möglich  zu  gestalten,  werden
1.  in  den  beiden  wöchentlichen  theoretischen  Prdagogik-Unterrichtsstunden  der
ersten  Wochen  durch  den  Seminar-Übungsiehrer  den  jungen  Mädchen  genau
die  Punkte  (besonders  über  Gliederung  des  Unterrichts  und  über  die  Unterricht»-formen)
  bekannt  gegeben  und  erörtert,  auf  welche  sie  während  des  Hospitierens
ihr  Augenmerk  zu  richten  haben.  Dieser  wichtigen  Vorbereitung  wird  der
„Block  zu  Entwürfen  und  Beurteilungen  von  l.chrproben“  vun  A.  Gehrig  als
theoretisch-praktisches  Hilfsmittel  zugrunde  gelegt;
2.  die  jungen  Müdchen  angehalten,  von  Zeit  zu  Zeit  über  das  im  Unterrichte
Gesehene  und  Gehörte  entweder
a)  dem  Unterrichtenden,  bei  welchem  sie  hospitierten,  oder  auch
b)  nach  vorhergegangeener  Verabredung  des  Unterrichtenden  mit  dem  Seminar-Übungsichrer
  letzterem  einen  mündlichen  oder  schriftlichen  L.chrbericht  zu
erstalten.
B.  Nach  dem  weiteren  theoretischen  Pädagogik-Unterrichte  über  „Allgemeine
Erziehungs-  und  Unterrichtslehre“  im  im  zweiten  Halbjahre  die  wirkliche  Knführung
in  die  praktische  Unterrichtserteilung  ein,  indem  der  Seminar-Übungslehrer
.  zunachst  selbst  Musterlektionen  halt,  wozu  natürlich  die  methorlisch  leichter
und  einfacher  zu  behandelnden  Fächer  und  Stoffe  zuerst  ausgewählt  werden,

2.  die  jungen  Mädchen  anleitet,  mit  ihm  in  gemeinsamer  Arbeit  aus  der  gehörten
Musterlehrprobe  den  zugrunde  gelegten  P’lan  herauszufinden,

3.  von  den  jungen  Mädchen  den  entwickelten  und  klargelegten  Entwurf  als  aufzubewahrenden
  Musterentwurf  in  ihren  „Block“  emtragen  laßt  und

.  von  den  jungen  Mädchen  zunachst  vor  den  Mitschüleriunen,  danır  vor  Schulerinnen
  ähnliche  L.ehrproben  desselben  Faches  geben  laßt.  Diese  Lehrproben
werden  einer  genauen  Beurteilung  nach  Anordnung  der  wichtigsten  Fragen

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