348  Das  Maädchenschulwesen.

dienst  beschäftigten  Oberlehrerinnen  —  die  freilich  seitdem  erheblich
gewachsen  sein  dürfte  —  die  Übersicht  über  das  preufsische  höhere
Mädchenschulwesen.

c)  Der  hauswirtschaftliche  Unterricht.

Der  hauswirtschaftliche  Unterricht  steht  in  Preußen  noch  zu
schr  in  den  Anfängen,  die  einzelnen  Veranstaltungen,  die  getroffen
wurden  sind,  tragen  noch  zu  schr  den  Charakter  von  Versuchen,  sie
müssen,  um  sich  überhaupt  einzuführen,  noch  zu  eng  örtlichen  Verhältnissen
  angepaßt  werden,  als  daß  schon  cine  allgemeine  Regelung
des  Unterrichts  nach  Zeit,  Art  und  Zielen  vorgenommen  werden
konnte.  Diese  Viclgestaltigkeit  und  die  Tatsache,  daß  keine  anıtliche
  Statistik  über  die  von  den  einzelnen  Städten  oder  von  Privaten
und  Vereinen  begründeten  hauswirtschaftlichen  Unterrichtsanstalten
geführt  wird,  macht  es  auch  unmöglich,  den  Stand  des  hauswirtschaftlichen
  Unterrichts  in  Preußen  in  gedrängter  und  zugleich  cerschöpfender
  Übersicht  darzustellen.  Es  können  nur  einzelne  Hauptmerkmale
  der  wichtigsten  unter  den  bestehenden  Veranstaltungen
und  einige  charakteristische  Unterschiede  der  Einrichtung  und  des
unterrichtlichen  Betriebs  herausgegriffen  werden.!)  Dabei  handelt  es
sich  hier  nur  um  die  Fälle,  in  denen  der  hauswirtschaftliche  Unterricht
  in  die  Volksschule  sclbst  hineingezogen  wird.  Alle  jenseits
der  Volksschule  liegenden  Veranstaltungen  sind  dem  Fortbildungsschulwesen
  zuzurechnen.

Eine  ganze  Anzahl  hauptsächlich  größerer  Städte  in  Preufsen
mit  vorwiegend  industricller  Bevölkerung  hat  im  letzten  Jahrzehnt
den  Haushaltungsunterricht  in  die  Mädchenvolksschule  eingeführt,  so
Cassel,  Bielefeld,  Altona,  Breslau,  Danzig,  Cöln,  HElberfeld,  Erfurt,
Graudenz,  Posen,  Wiesbaden,  Charlottenburg  u.a.;  in  einigen  anderen
sind  jetzt  bereits  Vorbereitungen  dafür  getroffen.  Dazu  kommen
noch  private  Unternehmungen,  die  zum  Teil  städtisch  subventioniert

I)  Als  Material  dazu  dienten  außer  direkten  Mitteilungen  von  Behörden  Notizen
und  Aufsätze  in  Fachzeitschriften  und  folgende  Bücher,  die  auch  weitere  Einzelheiten
bieten:  &gt;Der  hauswirtschaftliche  Unterricht  armer  Mädchen  in  Deutschlands,  heraus
gegeben  von  der  Haushaltungsunterrichts-Kommission  des  deuischen  Vereins  für  Armenpllege
  und  Wohltatigkeit  (Leipzig  1890).  —  Fortbildungs-  und  Fachschulen  für  Mädchen.
Im  ‚Auftrags  des  Verbandes  denischer  Gewerbeschulmänner,  herausgegeben  v.  Th.  laut,
Wiesbaden  1902.  —  Die  hauswirtschaflliche  Schule.  Von  Hedwig  WHeyl  In  den
Handbuch  der  Frauenbewegung,  herausgegeben  von  lielene  Lange  und  Gertrmd  Baumer.
Teil  Il,  Ss.  159  8.  (19021.  Die  theorensche  Lateratur  zu  der  ganzen  Frage  ist  hier
natürlich  nicht  berücksichtigt.