Der  gegenwärtige  Stand  des  Mädchenschulwesens  in  Deutschland.  34)

werden,  z.  B.  die  Haushaltungsschulen  des  Vereins  für  Hlaushaltungsunterricht
  in  Magdeburg,  die  hauptsächlich  von  noch  schulpflichtigen
Mädchen  besucht  werden.  Solche  Veranstaltungen  tragen  meist  einen
provisorischen  Charakter,  insofern  sie  für  die  Übernahme  des  hauswirtschaftlichen
  Unterrichts  durch  die  städtischen  Volksschulen
Stimmung  machen  sollen  und  nur  vorläufig  an  deren  Stelle  treten.
Vereine,  wie  der  vaterländische  Frauenverein,  die  Frauenbildungsund
  Erwerbsvereine,  auch  diese  und  jene  Korporationen  der  freiwilligen
  Arnıenpflege  sind  vielfach  an  der  Begründung  hauswirtschaftlicher
  Unterrichtskurse  beteiligt.

Uber  die  zu  einem  wirklich  fruchtbaren  Betrieb  des  hauswirtschaftlichen
  Unterrichts  notwendige  Zeit  herrscht  ziemlich  Übereinstimmung.
  Meist  werden  d,  zuweilen  auch  3  Wochenstunden  (Charlottenburg)
  für  den  hauswirtschaftlichen  Unterricht  festgesetzt.  Fr
umfaßt  dann  neben  dem  Kochunterricht  und  den  häuslichen  Ordnungs-
  und  Reinigungsarbeiten  auch  Nahrungmittcl-  und  Gesundheits-Ichre
  und  steht  durch  dieses  Fach  in  engstem  Zusammenhang  mit
dem  naturwissenschaftlichen  Unterricht,  während  die  Unterweisung  im
Stopfen,  Flicken  und  in  der  Behandlung  der  Wäsche  eine  natürliche
Ergänzung  des  Handarbeitsunterrichts  bildet.  Mit  Rücksicht  auf
diesen  Zusammenhang  mit  anderen  bereits  vorhandenen  Unterrichtsfächern
  ist  denn  auch  zuweilen  die  schwierigste  Frage  des  hauswirtschaftlichen
  Unterrichts  in  der  Volksschule,  die  der  Mehrbelastung
der  Schülerinnen  um  vier  Wochenstunden  oder  der  Beschränkung
anderer  notwendiger  Fächer  gelöst  worden.  In  Charlottenburg  z.  B.,
wo  sämtliche,  im  letzten  Schuljahr  stehende  Schülerinnen  der  ersten,
zweiten  und  dritten  Klasse  der  Volksschulen  am  llaushaltungsunterricht
  teilnehmen,  fällt  dafür  in  Klasse  I  eine  Stunde  Naturwissenschaften
  und  eine  Stunde  Turnen,  in  II  cine  Stunde  Naturwissenschaften
  und  eine  Handarbeiten,  in  III  eine  Naturwissenschaften  und
eine  Schreiben  weg.  In  anderen  Städten  wieder,  z.  B.  in  Wiesbaden,
hat  man  trotz  Einführung  des  Hauswirtschaftsunterrichts  die  anderen
Fächer  in  vollem  Umfang  beibehalten.  Mit  der  Art  der  Eingliederung
in  den  I.chrplan  hängt  dann  auch  die  Frage  zusammen,  zu  welcher
Tageszeit  der  Unterricht  erteilt  werden  soll.  Daß  die  dafür  bestimmten
  Stunden  hinter  einander  liegen  müssen,  ergibt  sich  aus  der
Natur  der  Sache.  Da,  wo  andere  Unterrichtsstunden  ausfallen  dürfen,
ist  es  leichter,  diem  Hlaushaltungsunterricht  einen  ganzen  Vormittag
in  der  Woche  zu  widmen;  wo,  wie  z.  B.  in  Wiesbaden,  der  Ausfall
anderer  Stunden  vermieden  wird,  legt  man  den  Kochunterricht  in  die