352  Das  Mädchenschulwesen.

arbeiten  so  wenig  über  die  Bedürfnisse  des  Hausgebrauchs  hinaus,
daß  man  sie  kaum  als  Fachschulen  betrachten  kann.  So  ist  es
schwierig,  Gesichtspunkte  zu  finden,  nach  denen  man  die  beiden
Kategorien  der  beruflichen  —  von  denen  hier  nicht  die  Rede  ist  —
und  der  allgemeinen  Fortbildungsschulen  voneinander  scheiden  kann.
Im  ganzen  handelt  es  sich  in  Preußen  um  zwei  Typen  von  Anstalten,
die  man  als  allgemeine  Fortbildungsschulen  bezeichnen  könnte;  den
einen  repräsentieren  die  Anstalten,  dic  schulentlassenen  Mädchen  tinc
ihrem  häuslichen  Pflichtenkrcise  entsprechende  hauswirtschaäftliche
Ausbildung  geben,  den  anderen  Schulen,  die  den  Elemientarunterricht
nach  allen  Richtungen  erweitern  und  der  größeren  geistigen  Reife
der  Schülerinnen  entsprechend  erst  eigentlich  fruchtbar  machen.
Diese  Erweiterung  führt  dann  meist  bis  zu  den  ersten  Anfängen
einer  kaufmännischen  und  gewerblichen  Berufsbildung,  dadurch,  daß
Buchführung,  Stenographie,  Zeichnen  u.  dgl.  aufgenommen  werden.
Diesem  Typus  entsprechen  die  von  der  Stadt  Berlin  begründeten
Fortbildungsschulen  für  Mädchen.  Als  Zweck  dieser  Anstalten  wird
ausdrücklich  bezeichnet  „die  Bildung,  welche  in  der  Gemeindeschule
angestrebt  ist,  zu  sichern  und  zu  ergänzen,  den  in  praktischer  Beschäftigung
  aller  Art  stehenden  Mädchen  eine  regelmäßige,  zur  Befestigung
  ernster  Lebensanschauungen  dienende  geistige  Anregung
zu  geben,  die  Neigung  und  das  Geschick  für  angemessene  [rauenarbeit
  zu  pflegen“.  Auch  Frauen,  die  cine  mangelhafte  Schulbildung
nachholen  wollen,  können  an  dem  Unterricht  teilnehmen.  Ausdrücklich
  wird  betont,  daß  die  Schulen  nicht  ausschließlich  technischer
Unterweisung  dienen  sollten.  Die  Unterrichtsgegenstände,  deren
Wahl  den  Schülerinnen  frei  steht,  sind  Deutsch,  Rechnen,  Buchführung,
  Stenographie,  Maschinenschreiben,  Zeichnen,  Französisch,
Englisch,  Handarbeit,  Wäschezuschneiden,  Maschinennähen,  Putzmachen,
  Schneidern,  Plätten,  Turnen  und  Gesang.  Dazu  kommt
noch  in  einzelnen  Schulen  Geschichte,  Handelsgeographie,  Schreiben
und  Kochunterricht.  Es  wird  ein  ganz  geringes  Schulgeld  erhoben,
für  alle  Fächer  außer  Plätten,  Schneidern  und  den  fremden  Sprachen
monatlich  0,50  M.  Durch  die  Hinzunahme  eines  dieser  Fächer  erliöht
es  sich  etwas.  Auch  Stenographie  und  Maschmenschreiben  wird  mit
je  0,50  M.  monatlich  bezahlt,  und  die  Teilnahme  an  einem  Kochkursus
  von  einem  halben  Jahr  kostet  4  M.  Die  Viktoriafortbildungsschule
  in  Berlin,  eine  der  ersten  Anstalten  ihrer  Art,  die  im  Jahre  1578
von  Frau  Ulrike  Henschke  gegründet  und  bis  1897  von  ihr,  scitdem
  von  ihrer  Tochter  Margarete  Ilenschke  geleitet  wurde,  betont