Der  gegenwärtige  Stand  des  Märlchenschulwesens  in  Deusschlanil.  ar

in  ihrer  ganzen  Organisation  besonders  die  erzichlichen  Aufgaben
der  Fortbildungsschule  und  hat  sich  als  eine  Anstalt,  die  ihr  Gepräge
durch  das  Vorherrschen  des  weiblichen  Einflusses  erhielt,  gerade  nach
dieser  Richtung  hin  cigsenartig  entwickelt.  Den  Typus  einer  hauswirtschaftlichen
  Fortbildungsschule  bietet  wiederum  Breslau.  An  die
mit  den  Mädchenvolksschulen  verbundenen  Haushaltungsschulen  sind
Fortbildungsschulen  angeschlossen,  die  aus  der  Volksschule  entlassene
Mädchen  in  allen  Fächern  hauswirtschaftlicher  Tätigkeit  noch  ein
halbes  Jahr  lang  ausbilden.  Die  wöchentliche  Stundenzahl  beträgt
28,  nämlich  12  Stunden  für  Kochen  und  Waschen,  B  für  Plätten,  2
für  Wirtschaftsichre,  3  für  Ernährungs-  und  Nahrungsmittellchre,  2
für  Gesetzeskunde  und  1  für  Gesundheits-  und  Anständsichre.  Der
Unterricht  ist  unentgeltlich,  aber  natürlich  fakultativ.  Auf  ganz  ähnlicher
  Grundlage  arbeitet  z.  B.  die  Koch-  und  Haushaltungsschule  des
Ritschlschen  Fraucnvereins  in  Erfurt,  die  Haushaltungsschulen  des  zur
Förderung  des  hauswirtschaftlichen  Unterrichts  gegründeten  Vereins
zu  Frankfurt  a.  M.  (Prof.  Dr.  Kamp)  und  eine  ganze  Reihe  von  Vereinen
  unterhaltener  Anstalten  in  verschiedenen  Städten.  Neben  diesen
die  ganze  Zeit  ihrer  Schülerinnen  beanspruchenden  Anstalten  sind
aber  auch  häufig  Abendkurse  eingerichtet  worden,  die  beruflich  tätigen
Mädchen  in  beschränktem  Umfang  etwas  Ähnliches  bieten  wollen.
Dahin  gehören  z.  B.  auch  die  zuweilen  von  den  Industriellen  selbst,
zuweilen  von  Vereinen  begründeten  Abendkurse  für  F’abrikarbeiterinnen.
Die  von  den  L.andwirtschaftskammern  und  von  Vereinen  begründeten
jändlichen  Haushaltungsschulen  wird  man  cher  als  Fachschulen  ansehen
  dürfen.

Fast  alle  diese  Anstalten  haben  mit  der  Schwierigkeit  zu  kämpfen,
daß  sie  gerade  aus  den  Kreisen  zu  wenig  besucht  werden,  für  die  sie
in  allererster  Linie  geschaffen  sind.  Weniger  als  bei  der  gewerblichen
  oder  kaufmännischen  Fachschule  fällt  bei  der  allgemeinen  und
hauswirtschaftlichen  Fortbildungsschule  der  praktische  Nutzen  unmittelbar
  ins  Auge.  Daß  ihre  erziehliche  Bedeutung  aber  von  den
breiten  Massen  der  Industriebevölkerung  in  dem  Maße  erkannt  wurde,
um  ihnen  den  regelmäßigen  Besuch  der  schulentlassenen  Mädchen  zu
sichern,  kann  nicht  erwartet  werden.  Aus  den  Erfahrungen,  die  in
den  verhältnismäßig  noch  wenigen  bestehenden  Fortbildungsschulen
für  Mädchen  gemacht  sind,  hat  sich  allgemein  die  Einsicht  ergeben,
daß  sie  nur,  wenn  die  Teilnahme  anı  Unterricht  von  allen  schulentlassenen
  Mädchen  der  Volksschule  ohne  Unterschied  erzwungen
werden  könnte,  ihren  Zweck  voll  erfüllen  würden.  Dann  wäre  auch

Das  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  11.  23