360  Das  Mädchenschulnesen.

l.andes-  und  Schulgesetzgebung  teils  an  den  Geschichtsunterricht,
teils  an  den  Unterricht  in  der  Pädagogik  angeschlossen  werden.

Als  Pflichtfächer  gelten  in  lL.ehrer-  und  I.chrerinnenseminaren
Religion,  Deutsch,  Arithmetik  und  Mathematik,  Erdkunde,  Geschichte,
Naturgeschichte,  Chemie  und  Mineralogie,  Physik,  Erziehungs-  und
Unterrichtsichre,  Zeichnen,  Schreiben,  Gesang,  Violinspiel,  Turnen
und  in  den  l.ehrerinnenseminaren  Handarbeiten.  In  der  Königlichen
höheren  weiblichen  Bildungsanstalt  von  Aschaffenburg  kommt  zu  den
Pflichtfächern  noch  Französisch,  das  in  der  Münchner  I.chrerinncn-Bildungsanstalt,
  sowie  in  den  IL.ehrerseminaren  Wahlfach  ist.  AI;
Wahlfach  dient  in  Aschaffenburg  Englisch,  in  den  Lchrerseminaren
außer  Französisch  L.ateıin,  außerdem  in  allen  Lehrer-  und  l.chrerinnen-Seminaren
  Stenographie.  Die  I.chrerinnenbildung  umfaßt  wie  die
l.ehrerbildung  einen  dreijährigen  Präparandenkurs  und  3  Seminarklassen.
  Die  L.ehrerinnen-Bildungsanstalt  zu  Aschaffenburg  ist  mit
einer  höheren  Töchterschule  verbunden,  deren  drei  Oberklassen  den
Präparandenkurs  ersetzen.

Über  die  Anforderungen  bei  den  Prüfungen  geben  vielleicht  die
nachstehenden,  bei  der  Schlußprüfung  der  Kgl.  Kreis-I.chrerinnen-Bildungsanstalt
  in  München  1903  gestellten  Aufgaben  eine  Vorstellung:

Aufgaben  der  schriftlichen  Seminar-Schlussprüfung  1903.

l.  Aufgaben  aus  der  Erziehungs-  und  Unterrichtslehre.

1.  Der  Befehl  als  Mittel  der  Schuldisziplin.

2.  Nach  welchen  Grundsätzen  ist  der  naturkundliche  Unterricht  in  der  Volksschule
zu  erteilen,  und  welche  Stofle  sind  für  denselben  auszuwählen?

3.  Johann  Amos  Comenius  —  seine  wichtigsten  Schriften  und  sein  Hauptverdienst
um  die  Methodik  des  Volksschulunterrichtes.

Ha.  Aufgaben  aus  der  katholischen  Keligionslehre.

1.  Wie  hat  sich  Gott  dem  Menschen  auf  natürliche,  wie  auf  übernatürliche  Weise
geoffenbarı?  Warum  war  letztere  Offenbarung  notwendig?  Wie  ließ  sich
letztere  als  göttliche  Offenbarung  erkennen?

2.  Was  lehrt  die  Kirche  von  der  Gegenwart  Jesu  im  Allerheiligsten  Altarsakramente?
  Wie  Jäßt  sich  dieses  Dogma  aus  Schrift  und  Tradition  beweisen?

3.  Man  erklüre  die  Sakramentalität  der  letzten  Ölung  nach  den  zu  jedem  Sakrımente
  erforderlichen  Stücken.

Ib.  Aufgaben  aus  der  protestantischen  Religionslehre.

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Welchen  Gang  nalım  die  Reformation  von  1521—  1529?  Worin  liegt  innerhalb
dieses  Zeitraumes  der  Fortschritt  der  Bewegung?

2.  Was  hat  A.  H.  Francke  auf  dem  Gebiete  der  christlichen  Liebestätigkeit  peleistet?
  Wie  und  durch  wen  wurden  ähnliche  Tätigkeiten  im  19.  Jahrhundert

aufgenommen  ?