Der  gegenwärtige  Stand  des  Mädchenschulwesens  ın  Deutschland.  365

Klementarklassen  für  allgemeine  Fortbildung,  andererseits  Zeichen-,
Näh-,  Spinn-  und  Strickunterricht  umfatste.  Die  Schule,  die  ın  den
dreitiger  und  vierziger  Jahren  in  ihrer  höchsten  Blüte  stand,  verlor
später  an  Bedeutung;  dagegen  wurde  im  Jahre  1894  in  München  cine
städtische  weibliche  Fortbildungsschule  mit  unentgeltlichem  Unterricht
eingerichtet.  Die  Schule  umfaßt  drei  Abteilungen,  cine  allgemeine
oder  hauswirtschaftliche,  cine  käufmännische  und  eine  gewerbliche
Abteilung.  Der  Unterricht  in  der  hauswirtschaftlichen  Abteilung
sollte  sich  hauptsächlich  auf  das  erstrecken,  was  die  Hausfrau  bürgerlichen
  Standes  für  die  Führung  des  Häauswesens  kennen  muß;  die
kaufmännische  Abteilung  gibt  die  erste  Einführung  in  kaufmännische
Fertigkeiten,  oline  eine  streng  fachliche  Ausbildung,  wie  sie  etwa  die
Handelsschulen  anstreben,  zu  gewähren;  in  der  gewerblichen  Abteilung
  sollen  diejenigen  Mädchen  gefördert  werden,  die  als  Näherinnen,
Putzarbeiterinnen  und  Vorzeichnerinnen  in  kunstgewerblichen  Geschäften
  angestellt  sind.  Die  hauswirtschäftliche  Abteilung  umfatst
6—7  Wochenstunden,  nämlich  eine  Stunde  Religion,  zwei  Stunden
Haushaltungs-  und  Gesundheitsichre,  zwei  Stunden  Deutsch,  eine
Stunde  Rechnen  und  Buchführung;  im  dritten  Schuljahre  außerdem
eine  Stunde  Erziehungskunde;  Handarbeit,  Französisch  und  Stenographie
  sind  in  allen  drei  Klassen  wahlfre.  Die  kaufmännische  Abteilung
  umfaßt  acht  Wochenstunden,  eine  Stunde  Religion,  zwei
Stunden  Deutsch,  zwei  Stunden  kaufmännisches  Rechnen  und  Buchführung,
  zwei  bis  drei  Stunden  Französisch  oder  Englisch  und  eine
Stunde  Stenographie.  Die  gewerbliche  Abteilung  umfaßt  sieben
Wochenstunden,  eine  Stunde  Religion,  zwei  Stunden  Deutsch,  zwei
Stunden  gewerbliches  Rechnen  und  gewerbliche  Buchführung,  zwei
Stunden  gewerbliches  Zeichnen.  Der  Unterricht  findet  in  allen  drei
Klassen  an  Wochentagen  nachmittags  statt.  Man  sieht  aus  dieser
Stundenverteilung,  daß  auch  in  der  kaufmännischen  und  gewerblichen
Abteilung  es  sich  nicht  um  eine  eigentliche  Fachbildung  handelt,
sondern  vielmehr  darum,  die  allgemeine  Fortbildung  dem  Beruf  der
Mädchen  in  gewisser  Hinsicht  und  soweit  das  in  engem  Rahmen
möglich  ist,  anzupassen.

Nun  ist  gleichzeitig  mit  der  Fortbildungsschule  an  den  Volksmädchenschulen
  in  München,  die  entsprechend  den  Gescetzesvorschriften
  sieben  Schuljahre  umfassen,  ein  fakultatives  8.  Schuljahr  eingerichtet
  worden.  Der  Unterricht  in  diesem  #8.  Schuljahr  umfaßt
28  Wochenstunden,  davon  2  Religion,  8  Haushaltungskunde  mit
Schulküche,  4  Handarbeit,  6  Deutsch,  4  Rechnen,  2  Zeichnen  und