6  Das  Mädchenschulwesen,

3  Turnen.  Der  Besuch  dieser  8.  Schulklasse  wird  gleichgerechnet
dem  zweijährigen  Besuch  der  Fortbildungsschule,  sodaß  Schülerinnen,
die  aus  der  8.  Schulklasse  entlassen  werden,  nur  noch  cin  Jahr  die
Fortbildungsschule  mit  dem  IL.chrplan  des  dritten  Fortbildungsschuljahres
  zu  besuchen  haben.  Die  Ausbildung  in  diesem  8.  Schuljahre
wird  ganz  allgemein  für  schr  viel  zweckmäßiger  und  erfolgreicher
gchalten,  als  der  Besuch  der  eigentlichen  Fortbildungsschule.  Trotzdem
  die  Mädchen  bei  Besuch  dieses  ®.  Schuljahres  cin  Jahr  für  ihren
Erwerb  verlieren,  da  sie  während  desselben  natürlich  keinen  Beruf
ergreifen  können,  so  wird  doch  dies  8.  Schuljahr  von  760  Mädchen
in  München  durchgemacht,  während  die  Fortbildungsschule  von  etwa
1283  Schülerinnen  besucht  wird;*)  die  Feiertagsschulen  wurden  von
6362  Mädchen  besucht.

Eine  gesonderte  Statistik  über  die  Fortbildungsschulen  für
Mädchen  in  Bayern  besteht  nicht.  In  den  Sonntagsschulen  wurden
in  Schuljahr  I  1901  162077  Schülerinnen  und  124220  Schüler
unterrichtet.  Daß  die  Zahl  der  Schülerinnen  um  cin  Drittel  mehr
beträgt  als  die  der  Schüler,  deutet  darauf  hin,  daß  für  die  Knaben
in  weit  größerem  Mafe  an  Stelle  der  einfachen  Sonntagsschule  eine
Fortbildungsschule  von  mehr  beruflichem  Charakter  getreten  ist.
Diese  Annahme  läßt  sich  noch  besonders  dadurch  beleuchten,  dass
man  das  Verhältnis  der  Schülerzahl  zu  der  der  Schülerinnen  in  den
Städten  und  auf  dem  platten  lande  besonders  betrachtet.  In  den
Städten,  dem  eigentlichen  Sitz  der  gewerblichen  Fortbildungsschulen,
wurde  die  Sonntagsschule  nur  von  W10  Schülern  gegen  3  222  Schülerinnen
  besucht.  In  den  ländlichen  Bezirksämtern  dagegen  zählte  man
115210  Schüler  gegen  131855  Schülerinnen.  In  München  besteht
gar  keine  Sonntagsschule  für  Knaben;  sie  besuchen  sämtlich  die  Fortbildungsschulen.
  Die  große  Differenz  zwischen  der  Gesamtzahl  der
Schüler  und  der  der  Schülerinnen  entfällt  also  vor  allem  auf  die
Städte.

3.  Das  Königreich  Sachsen.
a),  Das  höhere  Mädchenschulwesen.

Durch  Ministerialverordnung  wurden  vier  höhere  Mädchenschulen
in  Sachsen  dem  Gesctz  für  die  höheren  L.ehranstalten  vom  22.  August

1876  unterstellt.  Es  waren  die  höheren  Mädchenschulen  von  Dresden-Altstadt
  und  Leipzig,  zu  denen  später  noch  die  von  Dresden-Neustadt

*)  Im  Wintersemester  1903,  1904.