Ber  gegenwartige  Stand  des  Mälchenschulwesens  in  Deutschland.  397

Mädehenschule  in  Braunschweig  entspricht,  von  geringen  Verschiebungen
  in  der  Stundenverteilung  abgesehen,  dem  preußischen;
nur  daß  natürlich  das  zehnte  Schuljahr,  das  hier  dazu  kommt,  bestimmte
  Erweiterungen  ermöglicht.  Im  Deutschen  hat  die  Ausdehnung
  des  Lehrplans  über  10  Jahre  die  Stoffauswahl  insofern  verschieden
  von  der  des  preußischen  Plans  gestaltet,  als  in  der  zweiten
und  ersten  Klasse  eine  zusammenhängende  Übersicht  der  deutschen
Literaturgeschichte  gegeben  wird.  Auch  im  Rechnen  und  vor  allem
in  der  Chemie  ist  der  Lehrplan  erheblich  erweitert.  —  Der  L.chrplan
einer  hervorragenden  Privatanstalt  des  Herzogtums,  die  mit  den  von
Frl.  Vorwerk  begründeten  Anstalten  in  Wolfenbüttel  verbunden  ist,
ist  im  wesentlichen  ähnlich  organisiert.  Als  eine  Abweichung  von
den  sonst  allsemein  eingeführten  Lehrplänen  ist  vielleicht  hervorhebenswert,
  daß  im  9.  und  10.  Schuljahr  Kunstgeschichte  als  besonderes
  Unterrichtsfach  gelehrt  wird.  Auf  die  innere  methodische
Organisation  dieser  Schule,  die  manches  Eigenartige  zeigt,  einzugehen,
ist  im  Rahmen  dieser  Darstellung  nicht  möglich.

Statistisches  Material  über  die  höheren  Mädchenschulen  im
llerzogtum  Braunschweig  konnte  von  dem  Herzoglichen  Konsistoriun
nicht  zur  Verfügung  gestellt  werden.

b,  Die  l.chrerinnenbildung.

Die  in  Braunschweig  gültigen  Normen  der  L.ehrerinnenbildung
werden  aus  der  Organisation  des  städtischen  Lehrerinnenseminars  in
Braunschweig  und  des  Seminars  der  Vorwerkschen  Anstalten  in
Wolfenbüttel  ersichtlich.  Der  Lehrgang  der  Seminare  ist  dreijährig.
Nach  zweijährigem  Besuch  wird  eine  vorläufige  Prüfung  in  Rechnen,
Naturwissenschaften,  Geographie  und  den  technischen  Fächern  abselegt,
  so  dafs  im  dritten  Seminarjahr  auf  die  sprachlich-historischen
Fächer  und  die  pädagogische  Ausbildung  intensivere  Arbeit  verwendet
werden  kann.  Beide  Prüfungen,  die  vorläufige  und  die  abschlietsende
in  Französisch,  Englisch,  Deutsch,  Geschichte,  Religion  und  Pädagogik
sind  schriftlich  und  mündlich  abzulegen.  Es  werden  —  ähnlich  wie
in  der  ausführlich  dargestellten  Seminarabschlußprüfung  in  Bayern  —
eine  Reihe  von  Aufgaben  aus  jedem  Fach  unter  Clausur  schriftlich
bearbeitet,  und  cs  findet  außerdem  neben  der  praktischen  cine  mündliche
  Prüfung  in  all  diesen  Fächern  statt,  die  in  einzelnen  Anforderungen
  über  die  in  Preußen  matsgebende  Prüfungsordnung  etwas
hinaussreht.