Der  gegenwärtige  Stand  des  Mädchenschulwesens  in  Deutschland.  400

aus  größten  Prozentsatz  von  Schülerinnen  zählen  aber  die  Privatschulen.
  Diese  sind  teils  kleine  Zirkel,  teils  größere  Systeme,  überwiegend
  sind  die  mit  einer  Schülerinnenzahl  von  100—200,  zwischen
200  und  300  Schülerinnen  haben  10  Privatschulen.  Die  neunstufigen
Schulen  sind  in  der  Mehrzahl;  die  Unterrichtsziele  entsprechen  ctwa
den  preußischen  Bestimmungen.

Einen  Überblick  über  den  Stand  des  höheren  Mädchenschulwesens

  —  die  Anstalten  mit  dem  Ziel  der  preußischen  Mittelschulen
waren  in  dieser  Aufstellung  allerdings  nicht  auszuscheiden  —  gibt

die  Tabelle  (Schuljahr  1902/1903)  auf  Seite  41V  und  41.

Zu  diesen  Schulen  der  Stadt  Hamburg  kommen  noch  in  Beriredorf
  und  Cuxhaven  4  private  höhere  Mädchenschulen  mit  3,  4  7
und  9  Klassen  und  im  ganzen  428  Schülerinnen.

b)  Die  L.chrerinnenbildung.

Der  Bildungsgang  der  Lehrerinnen  für  höhere  Mädchenschulen
ist  in  Hamburg  von  dem  der  Volksschullehrerinnen  getrennt.  Für
Volksschullehrerinnen  besteht  eine  vierstufige  Bildungsanstalt  mit  129
Schülerinnen,  in  der  der  gesamte  wissenschaäftliche  Unterricht  von
lL.ehrern  erteilt  wird.  Die  Uhnterrichtsziele  bestimmen  sich  nach  der
Prüfungsordnung  vom  4  Juni  1878.  Die  Prüfung  erstreckt  sich  auf
dieselben  Fächer  wie  die  der  Volksschullehrer,  nur  sind  die  Anforderungen,
  besonders  im  Rechnen  und  den  Naturwissenschaften,
geringer.  Englisch  ist  bei  den  Lehrern  obligatorisches,  bei  den
l.ehrerinnen  nur  fakultatives  Prüfungsfach.  Außer  dieser  Scminarabgangsprüfung
  muß  eine  Anstellungsprüfung  abgelegt  werden,  die,
abgesehen  von  dem  deutschen  Aufsatz,  wesentlich  die  praktische  und
pädagogische  Tüchtigkeit  erweisen  soll.

Die  Lehrerinnen  für  höhere  Mädchenschulen  werden  in  dem
l.chrerinnenseminar  des  Klosters  St.  Johannis  ausgebildet.  Das
Seminar  umfaßt  3  Jahreskurse  und  außerdem  eine  Vorbereitungsklasse,
  in  welche  die  Schülerinnen  nach  Abschluß  des  9,  Schuljahres
in  der  höheren  Mädchenschule  übertreten.  Das  Seminar,  an  dem
die  Lehrkräfte  der  höheren  Mädchenschule  unterrichten,  zählte  am
I.  Februar  1903  insgesamt  106  Schülerinnen.  Die  Prüfungsordnung
für  Lehrerinnen  der  höheren  Mädchenschulen,  nach  der  sich  die
Unterrichtsziele  des  Seminars  bestimmen,  ist  von  der  preußischen
nicht  wesentlich  verschieden.  Nur  in  der  Art  der  Prüfung  weicht  man
in  Hamburg  von  den  preußischen  Bestimmungen  insofern  ab,  als  in
Pädagogik  und  den  Realien  auch  schriftliche  Aufgaben  gestellt  werden.