4  Volksschulwesen.

Münchener,  Frankfurter  oder  Berliner  Volksschule  eintritt.  Das
sind  die  spezifisch  deutschen  Züge  unserer  Volksschule,  Züge,
welche  ihr  jenen  besonderen  Charakter  verleihen,  den  man  bei
keiner  anderen  Kulturnation  in  diesem  Umfange  und  dieser  Bestimmtheit
  wiederfindet.

In  allen  deutschen  Volksschulen  liegt  der  Unterricht  ausschließlich
  in  der  Hand  streng  methodisch  für  ihren  Beruf  ausgebildeter
  und  staatlich  geprüfter  Lehrkräfte.  Alle  diese
Lehrkräfte  befinden  sich,  abgesehen  von  verhältnismäßig  jungen
Hilfslehrern,  in  festen,  unkündbaren  Stellungen.  Alle  haben  Anspruch
auf  ein  festes  Gehalt  und  nach  einer  gewissen  Dienstzeit  bei  eintretender
  Dienstunfähigkeit  auf  eine  Pension.  Im  Falle  des  Ablebens
eines  Lehrers  wird  auf  Grund  gesetzlich  feststehender  Normen  für
seine  Hinterbliebenen  gesorgt.  Wenn  auch  die  Gehalts-  und  Pensionsbezüge
  der  deutschen  Lehrer  dem  Ausländer  teilweise  gering
erscheinen,  besonders  wenn  er  sie  mit  den  Verhältnissen  in  solchen
Ländern  vergleicht,  in  denen  das  Geld  eine  geringere  Kaufkraft  besitzt
  als  bei  uns,  so  ist  doch  durch  diese  Einrichtungen  dem  deutschen
Lehrer  eine  gesicherte  Existenz  geschaffen,  in  welcher  er  bei  treuer
Erfüllung  seiner  Pflichten  ohne  Sorge  in  die  Zukunft  blicken  kann.
Diese  gesicherte,  lebenslängliche  Stellung  des  deutschen  Lehrers  ist
die  Wurzel,  aus  der  ein  Lehrerstand  erwachsen  konnte,  ein  ehrenwerter
  Stand  von  technisch  aufs  beste  für  ihren  Beruf  ausgebildeten,
in  ihren  Kenntnissen  und  ihrer  Lebensführung  geprüften  Persönlichkeiten,
  ein  Stand,  in  welchem  sich  gesunde  pädagogische  Traditionen
fortpflanzen  können,  neue  Erfahrungen  sammeln  und  feste  Methoden
des  Unterrichts  und  der  Erziehung  ausbilden  lassen.  Die  reichhaltige
pädagogische  Fachpresse,  die  Überfülle  der  alljährlich  erscheinenden
pädagogischen  Werke,  die  zahlreichen  wissenschaftlichen  Lehrervereine,
  die  rege  Beteiligung  der  Lehrerschaft  an  allen  vom  Staate
oder  von  den  Gemeinden  veranstalteten  Kursen  und  Vortragszyklen
beweisen,  daß  unser  Lehrerstand  nicht  nur  von  einem  durchaus  anerkennenswerten
  Standesgefühl,  sondern  auch  von  dem  regsten
Streben  nach  Fortbildung  durchdrungen  ist.

An  Männer  und  Frauen,  die  in  dieser  Weise  gründlich  für  ihre
Aufgabe  vorbereitet  und  wirtschaftlich  sichergestellt  sind,  die  eine  so
hohe  Meinung  von  der  Bedeutung  ihres  Berufes  und  das  lebendige
Streben,  sich  in  ihm  zu  vervollkommnen,  besitzen,  können  Staat
und  Gemeinde  hohe  Anforderungen  stellen.  Von  ihnen  darf