Einleitung.  7

lande.  Die  Woche  hat  6  Arbeitstage,  und  die  Zahl  der  wöchentlichen
Arbeitsstunden,  wenigstens  in  den  oberen  Klassen,  überschreitet  nicht
selten  30.  Die  Ferien  dauern,  wenn  auch  ihre  Lage  und  Begrenzung  in
den  einzelnen  Staaten  und  Landesteilen  verschieden  sind,  insgesamt
höchstens  12  Wochen,  so  daß  im  Jahre,  nach  Abzug  einzelner  Feiertage,
  etwa  230—240  Arbeitstage  herauskommen.  Die  Ferien  schließen
sıch  an  die  hohen  kirchlichen  Feste,  an  Weihnachten,  Ostern  und
Pfingsten  an  und  bilden  außerdem  gewöhnlich  zwei  besondere  Gruppen
im  Sommer  und  im  Herbst.

Die  Unterrichtsziele,  welche  die  Lehrpläne  unserer  Volksschulen
vorschreiben,  bedürfen  zu  ihrer  Erreichung  der  vollen  Zeit  des  schulpflichtigen
  Alters  und  eines  regelmäßigen  Schulbesuches.  Sie  setzen
aber  auch  bei  Lehrern  wie  bei  Schülern  Fleiß  und  gewissenhafte
Pflichterfüllung  und  guten,  redlichen  Willen  voraus.  Weil  es  an  diesen
Voraussetzungen  den  Kindern  bei  ihrem  Eintritt  in  die  Schule  vielfach
  fehlt,  so  werden  sie  von  Anfang  an  dazu  durch  konsequente
Gewönnung  an  bestimmte  feste  Ordnungen  erzogen,  welche  mit
Freundlichkeit  und  zugleich  mit  Ernst  durchgeführt  werden.  Auf
diese  Weise  lernen  Schüler  und  Schülerinnen  schon  früh,  es  mit
ihren  Pflichten  ernst  zu  nehmen  und  sich  als  Glieder  eines  großen
Ganzen  zu  fühlen.

Die  Erfolge  des  Schulunterrichts  lassen  sich  fast  niemals  genau
ziffernmäßig  feststellen.  Die  Jugenderziehung  ist  einer  der  wichtigsten
Faktoren,  welche  den  Charakter  des  Menschen  bilden  und  seine
Erfolge  im  Leben  schaffen,  aber  es  läßt  sich  selten  genau  nachweisen,
welcher  Anteil  an  seinem  Charakter  und  seinen  Erfolgen  der  Anlage,
der  Erziehung  im  Elternhause,  dem  Einflusse  der  Schule  zuzuschreiben
ist.  Einen  verhältnismäßig  groben  äußerlichen  Maßstab  für  die
Leistungen  der  Volksschule  bildet  die  Verbreitung  der  einfachsten
Anfangsgründe  der  Schulbildung,  der  Kunst  des  Lesens  und  Schreibens
unter  der  erwachsenen  Bevölkerung  eines  Landes.  In  Deutschland
besteht  seit  geraumer  Zeit  die  Prüfung  der  jährlich  zum  Militär  eingestellten
  Mannschaften  auf  ihre  Schulbildung.  Über  die  Ergebnisse
der  diesbezüglichen  letzten  Erhebungen  vom  Jahre  1901  im  Deutschen
Reiche  gibt  folgende  Tafel  Auskunft,  deren  Gesamtergebnis  umso
erfreulicher  ist,  wenn  wir  damit  die  Ziffern  der  Jahre  1881  und  1891
vergleichen.  Diese  Zahlen  reden  eine  deutliche  Sprache,  und  sie
sagen  uns,  daß  die  pädagogische  Arbeit  der  deutschen  I.chrer  nicht
erfolglos  geblieben  ist.