Einleitung.  15

gründet  sich  diese  nicht  auf  die  Überzeugung,  als  ob  wir  wirklich
etwas  Großes  erreicht  hätten,  sondern  auf  das  Bewußtsein,  daß  wir
rüstig  vorwärts  schreiten.  Unser  Auge  ruht  nicht  mit  Behagen  auf
der  geleisteten  Arbeit  aus,  sondern  blickt  suchend  und  forschend  und
vielleicht  nicht  ohne  Selbstvertrauen  und  gute  Hofinung  in  die  Zukunft.
Neue  Aufgaben,  neue  Arbeit  warten  unser,  aber  die  bisherigen  Erfolge
erfüllen  uns  mit  dem  festen  Glauben,  dafs  wir  ihnen  gewachsen  sein
werden.  Die  Grundsätze,  welche  bisher  unser  Volk  vorwärts  und
aufwärts  geführt  haben,  gewissenhafte  Vorbildung  jedes  Mannes  für
seinen  Beruf,  strenge  Pflichterfüllung  des  einzelnen  in  Unterordnung
unter  die  Interessen  der  Gesamtheit  und  die  Anordnungen  der
autoritativen  Persönlichkeiten,  Einsetzung  aller  Kraft  für  das  Werk,
das  jedem  obliegt,  werden  auch  in  Zukunft  die  leitenden  Ideen  für
die  Erziehung  der  Jugend,  die  Ausbildung  der  geistigen  und
technischen  Arbeiter  auf  allen  Gebieten  sein.

Freilich  können  die  höchsten  materiellen  Erfolge  auf  den  Gebieten
des  Geschäftslebens  und  der  Politik  nicht  die  letzten  Ziele  sein,  welche
dem  Lehrer  der  Jugend  vorschweben.  Seine  Kulturmission  ist  damit
noch  nicht  erfüllt,  daß  er  der  Jugend  eine  Vorbereitung  gibt,  die  sie  befähigt,
  dereinst  ihrem  Vaterlande  als  tapfere  Krieger  oder  fleißige
Arbeiter  zu  dienen,  zu  pflügen  und  zu  bauen,  Erze  zu  schürfen  und  Meere
zu  durchfurchen,  zu  forschen  und  zu  erfinden  und  den  Erdball  mit  einem
Netz  von  Eisenbahnschienen  und  Telegraphendrähten  zu  umspannen
—  seine  Aufgabe  ist  höherer  Art.  Er  soll  seine  Schüler  nicht  nur  zu
Arbeitern  oder  Kriegern,  sondern  zu  Menschen  bilden  und  ihnen  nicht
nur  Geschicklichkeit  und  Kenntnisse  mitteilen,  sondern  durch  Pflege
echter  Religiosität  und  wahrer  Sittlichkeit  den  heiligen  Funken  der
Nächstenliebe  und  Barmherzigkeit  in  ihnen  entfachen,  sie  zu  jener
schönen  Harmonie  von  Hochsinn  und  Kraft  erziehen,  der  allein  die
letzte  dauernde  Herrschaft  auf  dieser  Erde  zufallen  muß.

Möge  es  der  deutschen  Volksschule  beschieden  sein,  unser  Volk
im  Streben  nach  diesem  hohen  und  reinen  Ziele  zu  kräftigen,  damit
es  imstande  sei,  jene  große  Mission  zu  erfüllen,  welche  unser  Kaiser
in  einer  kürzlich  in  Hamburg  gehaltenen  Rede  mit  den  begeisterten
Worten  gezeichnet  hat:

„So  wird  unser  Vaterland  vorangehen  auf  der  Bahn  der  Aufklärung,
  der  Bahn  der  Erleuchtung,  der  Bahn  des  praktischen  Christentums,
  ein  Segen  für  die  Menschheit,  ein  Hort  des  Friedens,  eine
Bewunderung  für  alle  Länder.“