24  Volksschulwesen.

Fällen  und  gar,  wo  der  wohlfeilste  verfügbare  Raum  aus  Not  genommen
  werden  mußte,  teilte  dann  wohl  des  Lehrers  Familie  und
gesamter  Haushalt  das  Zimmer  mit  Lehrer  und  Schülern  —  zum
Ungemach  für  beide  Teile,  wie  man  sich  leicht  ausmalt.“

Die  Methode  des  Unterrichts  war,  so  wenig  Bestimmtes  wir  auch
aus  den  Schilderungen  des  16.  Jahrhunderts  darüber  erfahren,
jedenfalls  wenig  ausgebildet,  schwerfällig  und  mechanisch.  Der  reichlich
  vorhandene  Memorierstoff:  der  Katechismus,  die  Sprüche,  die
Kirchenlieder,  bot  nur  zu  viel  Gelegenheit  zu  geistlosem  Auswendiglernen.
  Die  hier  und  da  in  den  Schulordnungen  an  die  Lehrer  gerichteten
  Warnungen,  sich  bei  ihren  Strafen  alles  Fluchens  und
ungebührlichen  Redens  zu  enthalten,  ihre  Schüler  nicht  mit  Schlüsseln,
Büchern  oder  Fäusten  ins  Gesicht  zu  schlagen,  sie  nicht  gräulich
über  die  Bänke  zu  werfen,  ihre  Glieder  zu  verrenken,  sie  nicht  an
den  Ohren  zu  ziehen  und  im  Gesicht  zu  verletzen,  kurz  sie  nicht
wie  Henker  zu  stäupen,  sondern  väterlich  zu  züchtigen,  gestatten
kaum  eine  allzu  günstige  Meinung  über  die  Handhabung  der  Schulzucht.
  Die  in  dieser  Hinsicht  gewiß  oft  vorkommenden  Ausschreitungen
  dürfen  uns  nicht  wundern,  wenn  wir  bedenken,  daß  cs
auch  um  10600  einen  für  seinen  Beruf  ausgebildeten  Lehrerstand  nicht
gab,  daß  die  Erzieher  der  Jugend  auch  jetzt  noch  aus  dem  Stande
der  Handwerker,  der  Schreiber  und  Rechenmeister  oder  gar  aus  verkommenen
  Studenten  hervorgingen,  daß  cs  diesen  Leuten  zum  großen
Teil  an  einer  festen  Existenz  und  gesichertem  Lebensunterhalt  fehlte,
so  daß  viele  das  Lehramt  als  Nebenbeschäftigung  trieben,  und  daß
cs  eine  streng  durchgeführte,  sachkundige  Schulaufsicht  und  Kontrolle
der  Schuleinrichtungen  nicht  gab.

3.  Das  Zeitalter  des  dreißigjährigen  Krieges.

Das  siebzehnte  Jahrhundert  ist  das  Zeitalter  jenes  großen  Krieges,
welcher  nicht  nur  den  materiellen  Wohlstand  des  deutschen  Landes
in  allen  seinen  Gauen  zerstörte,  unzählige  Dörfer  und  Städte  in
Ruinen  und  fruchtbare  Gefilde  in  Einöden  verwandelte,  sondern  auch
der  sittlichen  Kultur  des  Volkes  und  besonders  allen  Schuleinrichtungen
die  schwersten  Wunden  schlug.  So  wenig  es  unter  diesen  traurigen
Verhältnissen  möglich  war,  daß  die  Volksschule  praktische  Fortschritte
  machen  konnte,  so  ist  doch  gerade  das  sicbzehnte  Jahrhundert
  reich  an  hervorragenden  Theoretikern,  Leuten,  welche  berufen
waren,  der  Jugenderzichung  ganz  neue  Bahnen  zu  weisen.  Es  ist