Zur  Geschichte  der  deutschen  Volksschule.  29

eine  verbesserte  Schule  gegründet,  und  diese  verbesserte  Methode
wurde  dann  der  Einrichtung  des  katholischen  Lehrerseminars  zu
Breslau  (1765)  zugrunde  gelegt.  Das  1763  von  Friedrich  dem  Großen
erlassene  General-Land-Schulreglement,  das  erste  Volksschulgesetz,
welches  das  Gebiet  des  ganzen  preußischen  Staates  umfaßt  und  die
Grundlage  der  noch  heute  bestehenden  Ordnung  der  preußischen
Volksschule  bildet,  ist  im  Auftrage  des  Königs  von  Hecker  ausgearbeitet
  worden.

Auch  in  den  übrigen  deutschen  Landen  lassen  sich,  wie  „in  der
Instruktion  und  Verordnung  vor  die  deutschen  Schulen  auf  dem  Lande
in  dem  Fürstentum  Eisenach‘  von  1705  und  in  der  „erneuten  Ordnung
für  die  deutschen  Schulen“  in  Württemberg  von  1729,  die  Einflüsse
des  Pietismus  auf  das  Volksschulwesen  deutlich  nachweisen.

Der  Philanthropismus  steht  in  innerer  Beziehung  zu  der  englischen
und  französischen  Aufklärungsphilosophie  des  18.  Jahrhunderts  und
trägt  die  charakteristischen  Züge  des  Rationalismus  und  Utilitarismus
deutlich  an  sich.  Die  Erziehung  verfolgt  das  Ziel,  den  Menschen
durch  Aufklärung  über  die  Dinge  dieser  Welt  zur  Erkenntnis  seines
wohlverstandenen  Vorteils,  zur  Erfüllung  seiner  Pflichten  gegen  seinen
Nächsten,  zur  Glückseligkeit  zu  führen.  Der  Staat  und  die  Regierungen
haben  das  lebhafte  Interesse,  die  Untertanen  von  Vorurteilen  und
Aberglauben  zu  befreien,  sie  zu  verständigen  und  denkenden  Menschen
heranzubilden.  Nur  auf  diesem  Wege  kann  eine  dauernde  Wohlfahrt
der  Gesamtheit  erreicht  werden.  Die  Lösung  dieser  Aufgabe  stellte
man  sich  damals  verhältnismäßig  leicht  vor  und  gab  sich  hochfliegenden
optimistischen  Erwartungen  auf  die  baldige  Erreichung  dieser  Ziele
hin.  Die  wichtigsten  pädagogischen  Vertreter  des  Philanthropismus
standen,  mit  Ausnahme  von  Basedow,  auf  dem  Boden  des  Christentums,
  aber  ihr  christliches  Denken  wandte  sich  vorzugsweise  den
Fragen  der  praktischen  Moral  zu.  Welche  Gesichtspunkte  für  diesc
Männer  maßgebend  waren,  erkennen  wir  am  besten  aus  der
charakteristischen  Äußerung,  welche  der  Herr  von  Rochow  seiner
Geschichte  der  von  ihm  begründeten  Schulen  in  Reckan  und  anderen
Orten  vorausschickt.  Er  sagt:

„Als  in  den  Jahren  1771  und  1772  sehr  nasse  Sommer  einfielen,  viel  Heu  und
Getraide  verdarb,  Theurung  entstand,  auch  tödtliche  Krankheiten  unter  Menschen  und
Vieh  wütheten,  da  that  ich  nach  meiner  Obrigkeitsptlicht  mein  mögliches,  den  I.andleuten
auf  alle  Weise  mit  Rath  und  That  beyzustehen.  Ich  nahm  einen  ordentlichen  Arzt  für
die  Einwohner  auf  meinen  Gütern  an,  der  unentgeltlich  von  ihrer  Seite  sie,  gegen  ein
jährliches  Gehalt  von  mir,  mit  freyer  Medizin  versehen  und  heilen  sollte.  Sie  erhielten
schriftliche  Anweisungen  und  mündlichen  Rath,  wie  durch  allerley  Vorkehrungen  und