32  Volksschulwesen.

ein.  Sein  berühmtestes  Werk  auf  diesem  Gebiete  ist  seine  noch  heute
in  Deutschland  viel  gelesene  Bearbeitung  des  Defoeschen  Robinson
Crusoe  (Robinson  der  Jüngere  1779).  Das  Buch  erlebte  1894  bereits
die  116.  Auflage,  und  schon  wenige  Jahre  nach  seinem  Erscheinen
konnte  Campe  sich  rühmen,  daß  es  in  alle  europäischen  Sprachen
übersetzt  sei.  Allerdings  gewinnt  die  Erzählung  der  Abenteuer
Robinsons  nach  dem  heutigen  Geschmack  nicht  durch  die  eingeschobenen
  wissenschaftlichen  und  moralischen  Exkurse.

Der  vorzüglichste  Schriftsteller  der  philanthropischen  Richtung
war  Christian  Gotthilf  Salzmann  (1744—1811),  ein  Mann,  dessen
Werke  zum  großen  Teile  nicht  nur  der  Pädagoge,  sondern  auch  der
l.aie,  sofern  er  für  Kindererziehung  überhaupt  Interesse  besitzt,  nicht
ohne  Nutzen  und  Vergnügen  lesen  wird.  Auch  er  war  eine  Zeitlang
als  Religionslehrer  und  Liturg  an  der  Basedowschen  Anstalt  tätig,
begründete  aber  später  (1784)  auf  dem  Gute  Schnepfenthal,  nicht
weit  von  Gotha,  eine  eigene  Erziehungsanstalt,  welche  er  im  philanthropischen
  Sinne,  doch  mit  Vermeidung  der  zahlreichen  Übertreibungen
  des  Dessauer  Philanthropins,  bis  zu  seinem  Tode  leitete.

Diese  Anstalt  hat  den  Wechsel  der  Zeiten  überdauert  und
besteht  noch  heute.  Das  Ziel,  welches  Salzmann  bei  der  Begründung
der  Schnepfenthaler  Schule  vorschwebte,  war,  wie  er  es  in  der  Schrift
„Noch  etwas  über  Erziehung‘  ausspricht,  gesunde,  verständige,  gute
und  frohe  Menschen  zu  bilden,  sie  dadurch  in  sich  selbst  glücklich
zu  machen  und  zu  befähigen,  zur  Förderung  des  Wohles  ihrer  Mitmenschen
  kräftig  mitzuwirken.  Wie  er  sich  die  Aufgabe  des  Erziehers
vorstellt,  geht  aus  den  Worten  hervor,  in  denen  er  sich  in  dem
„Ameisenbüchlein“  an  den  Erzieher  selbst  wendet.  Es  heißt  da:

„An  Hermann!  So  nenne  ich  dich,  lieber,  junger  Mann,  der
du  in  deiner  Brust  ein  Streben  fühlst,  durch  Tätigkeit  für  Menschenwohl
  dich  in  der  Welt  auszuzeichnen.

Gib  mir  die  Hand!  wenn  du  nicht  vorzügliche  Talente  und
entschiedene  Neigung  zu  einem  anderen  Geschäfte  in  dir  fühlst,  —
so  widme  dich  der  Erziehung!

Diese  schafft  dir  Gelegenheit,  für  Menschenwohl  recht  tätig  zu
sein.  Wer  Moräste  austrocknet,  Heerstraßen  anlegt,  Tausenden
Gelegenheit  gibt,  sich  ihre  Bedürfnisse  zu  verschaffen,  Gärten
pflanzt,  Krankenhäuser  stiftet,  wirkt  auch  für  Menschenwohl,  aber
nicht  so  unmittelbar  und  durchgreifend  als  der  Erzieher.  Jener  verbessert
  den  Zustand  der  Menschen,  dieser  veredelt  den  Menschen
selbst.  Und  ist  der  Mensch  erst  veredelt,  so  geht  aus  ihm  die  Ver-