34  Volksschulwesen.

Berufes  und  demselben  feurigen  Triebe  erfüllt  werden,  von  welchem
beseelt  Sie  Ihr  ganzes  Leben  ihm  widmen.“

Pestalozzi  blieb  sich  trotz  dieser  vielfachen  Ehrungen  und  Auszeichnungen
  wohl  bewußt,  daß  die  Frage  der  Jugenderziehung  durch
ihn  noch  nicht  gelöst  sei.  Aber  er  war  auch  überzeugt,  daß  spätere
Generationen  auf  seinem  Werke  weiterbauen  würden.  Er  sagt  in
seinem  Schwanengesang  am  Schluß:  „Prüfet  alles,  behaltet  das  Gute,
und  wenn  etwas  Besseres  in  euch  selber  gereift,  so  setzet  es  zu  dem,
was  ich  euch  in  diesen  Bogen  in  Wahrheit  und  Liebe  zu  geben  versuchte,
  in  Wahrheit  und  Liebe  hinzu,  und  werfet  wenigstens  das
Ganze  meiner  Lebensbestrebungen  nicht  als  einen  Gegenstand  weg,
der,  schon  abgetan,  keiner  weiteren  Prüfung  bedürfe.  —  Er  ist  wahrlich
  noch  nicht  abgetan  und  bedarf  einer  ernsten  Prüfung  ganz  sicher,
und  zwar  nicht  um  meiner  und  um  meiner  Bitte  willen.“

Seine  Schüler  und  seine  Werke  trugen  seine  Ideen  weiter,  und
wenn  auch  die  bedeutenden  deutschen  Schulmänner  des  19.  Jahrhunderts,
  Dinter,  Harnisch,  Fröbel,  Diesterweg  und  andere  mehr,  nicht
unentwegt  auf  seinem  Standpunkte  stehen  bleiben  konnten,  so
schritten  sie  doch  auf  der  von  ihm  eingeschlagenen  Bahn  rüstig  weiter,
zum  Segen  der  deutschen  Jugend  und  zum  Vorteil  des  Vaterlandes.

Das  19.  Jahrhundert  kann  sich  in  Deutschland  an  großen
Pädagogen  mit  dem  18.  nicht  messen,  aber  es  hat  Bedeutendes  darin
geleistet,  die  Ideen  der  großen  Jugenderzieher  zu  verwirklichen.  Was
jenen  als  Hoffnungen  und  Wünsche  vorschwebte:  die  sorgfältige
Ausbildung  eines  tüchtigen  Lehrerstandes,  die  Durchführung  der
Schulpflicht  für  sämtliche  Kinder,  von  der  Großstadt  bis  zu  den  entferntesten
  Gebirgsdörfern,  die  Versorgung  des  ganzen  Landes  mit
zweckentsprechenden  Schulhäusern,  eine  sachkundige  Schulaufsicht,
gesetzliche  Regelung  der  Lehrergehälter  und  Fürsorge  für  ihre  Hinterbliebenen
  —  das  alles  ist  im  Laufe  des  19.  Jahrhunderts  Wirklichkeit
geworden.  Überdies  hat  sich  die  Methode  des  Unterrichts  wie  seine
belehrenden  und  erziehlichen  Erfolge  in  hohem  Maße  vervollkommnet.
Die  Gesamtbildung  der  Bevölkerung  sowie  das  Interesse  für  die
Schulen  in  allen  Stufen  der  Gesellschaft  ist  beständig  im  Zunehmen.

Um  die  methodischen  Erfolge  der  Pädagogik  im  Laufe  des
letzten  Jahrhunderts  an  einer  drastischen  Tatsache  zu  erläutern,  kann
man  darauf  hinweisen,  daß  die  Unterrichtsziele,  welche  seinerzeit  dem
Freiherrn  von  Rochow  für  seine  Schulen  als  Ideal  vorschwebten,
heutzutage  von  allen  besseren  deutschen  Hilfsschulen  für  schwachsinnige
  Kinder  tatsächlich  erreicht  oder  überflügelt  werden.