4)  Volksschulwesen.

wenn  auch  nicht  Gleichförmigkeit,  so  doch  Gleichartigkeit  der  Schuleinrichtungen
  auf  dem  Wege  der  Verordnungen  herbeizuführen.

Ein  großes  Hemmnis  für  eine  gedeihliche  Entwicklung  des
Volksschulwesens  war  die  Verarmung  der  Bevölkerung  infolge  des
Krieges.  Die  Unruhen  hatten  alle  Kulturarbeit  unterbrochen  und
jeden  Fortschritt  zum  Stehen  gebracht.  Unter  den  Einwirkungen
der  Philanthropen,  namentlich  aber  der  Anhänger  Pestalozzis,  waren  an
vielen  Stellen  des  deutschen  Landes  Lehrerbildungsanstalten  ins  Leben
getreten,  bessere  Schulen  errichtet  worden;  fast  alle  diese  Einrichtungen
  waren  im  Keime  erstickt,  und  die  Verwaltung  stand  vor  ganz
neuen  Aufgaben.  Wer  einen  Blick  in  die  Urkunden  über  die  Schulzustände
  jener  Zeit,  etwa  in  Beckedorffs  Jahrbücher,  Rossels  Rheinisch-Westfälische
  Monatsschrift,  Krügers  und  Harnisch’  „Schulrat  an  der
Oder“  tut,  begegnet  überall  denselben  Klagen:  schlechte  Schulhäuser,
unzureichend  besoldete,  unfähige  Lehrer,  eine  verwilderte  Schuljugend,
welche  noch  obenein  nur  schr  unregelmäßig  zur  Schule  kommt.

Der  verdienstvolle  spätere  Schulrat  Carl  Wilhelm  von  Türk  in
Potsdam  schildert  in  seiner  im  Jahre  1804  erschienenen  Schrift:  „Über
weckmäßige  Einrichtung  der  öffentlichen  Schul-  und  Unterrichtsanstalten
  als  eines  der  wirksamsten  Beförderungsmittel  einer  wesentlichen
  Verbesserung  der  niederen  Volksklassen“,  welche  er  als  mecklenburgischer
  Ministerialreferent  für  das  Volksschulwesen  veröffentlichte,
den  Zustand  seiner  Zeit  wie  folgt:

„Die  Schule,  die  öffentliche  Erziehung,  sollte  die  Mängel  der
häuslichen  verbessern,  ihre  I.  üucken  ausfüllen,  der  Macht  des  übeln
Beispiels,  das  die  Eltern  geben,  entgegenarbeiten;  allein  wie  entsprechen
  die  landschulen  diesen  Forderungen?  So,  daß  ich  keinen
Anstand  nehme  zu  behaupten,  es  wäre  den  meisten  Kindern  besser,
sie  gingen  garnicht  in  die  Schule,  als  daß  sie  in  solche  Schulen,  zu
solchen  Lehrern  gehen,  wie  die  meisten  es  sind.  Alles,  was  sich  dem
nur  einigermaßen  aufmerksanıen  Beobachter  in  den  meisten  der  jetzt
vorhandenen  L.andschulen  darstellt,  ist  unbeschreiblich  elend,  widersinnig,
  verderblich  in  seinem  Einflusse  auf  die  Erziehung  der  Jugend.

Elende,  enge,  niedrige  Schulzimmer,  —  denn  nicht  selten  ist
das  Haus  des  Schulmeisters  das  schlechteste  im  Dorfe,  —  eine  verdorbene,
  verpestete  Luft,  der  höchste  Grad  der  Uhnreinlichkeit,  der
nicht  selten  dadurch,  daß  die  Schulstube  zugleich  Wohnzimmer,
Werkstätte  und  Stall  für  das  Federvich  ist,  herbeigeführt  wird.

Unwissende,  ungesittete,  unreinliche  Schulmeister,  welche  die
Schule  als  einen  notwendigen  Nebenbehelf,  die  Betreibung  ihres