Zur  Geschichte  der  deutschen  Volksschule.  4:3

Handwerks  als  die  Hauptsache  betrachten  und  dieses  leider  nur  zu
oft  tun  müssen,  wenn  sie  nicht  hungern  wollen.  Eine  Methode  (wenn
man  anders  diesen  Ausdruck  mißbrauchen  will,  um  die  notdürftige,
erbärmliche  Anwendung  eines  schon  an  sich  höchst  widersinnigen
Schlendrians  zu  bezeichnen),  die  nur  darauf  hinausläuft,  das  Gcdächtnis
  des  Kindes  mit  ihm  unverständlichen  Stellen  und  Sätzen  des
Katechismus  und  der  Bibel  zu  überladen,  es  notdürftig  buchstabieren
und  lesen  zu  lehren  (an  Schreiben  und  Rechnen  ist  oft  garnicht  zu
denken),  während  Kopf  und  Herz  gleich  leer  bleiben  und  die  Hände
unbeschäftigt  sind.“

Mögen  die  Farben  dieses  Bildes  auch  etwas  stark  aufgetragen
sein,  so  ersieht  man  doch,  wie  richtig  im  ganzen  das  von  Herrn
von  Türk  gegebene  Bild  ist,  wenn  man  an  einer  späteren  Stelle  seines
Buches  liest,  daß  er  für  den  Schullehrer  neben  einigen  Naturalien
und  dem  Schulgelde  ein  festes  Gehalt  von  jährlich  12  Talern  fordert,
das  dem  Lehrer  zu  gewährende  Gesamteinkommen  auf  65  Taler  berechnet
  und  dabei  noch  Zweifel  an  der  Möglichkeit  ausspricht,  „diese
beträchtlichen  Gehaltsverbesserungen  auszuführen“.  Die  Verhältnisse
waren  im  preußischen  Staate  nicht  wesentlich  anders;  gab  es  doch
ım  Jahre  1820  nicht  weniger  als  1180  Landschullehrerstellen  mit  einem
jährlichen  Einkommen  von  unter  20  Talern.

Seitens  des  preußischen  Ministeriums  wurde  die  Aufgabe,  hicr
Abhilfe  zu  schaffen,  unter  Aufbietung  aller  verfügbaren  Kräfte  ihrer
Lösung  entgegengeführt.  Noch  während  der  Kriegsjahre  hatte  König
Friedrich  Wilhelm  III.  eine  Anzahl  begabter  junger  Männer  nach  der
Schweiz  gesendet,  damit  sie  in  Pestalozzis  Schule  sich  für  die  Volksschulerziehung
  erwärmen  und  deren  zweckmäßigste  Betreibung  erlernen
möchten.  Außerdem  hatte  er  einige  besonders  hervorragende  außerpreußische
  Schulmänner  in  das  Land  gezogen.  In  diesen  und  in  den
heimgekehrten  Schülern  Pestalozzis  hatte  er  nun  die  Männer  gewonnen,
  welche  als  Schulräte  und  als  Seminardirektoren  die  Reorganisation
  des  Volksschulwesens  durchführen  sollten.  Diese  fanden
ihren  Führer  in  dem  Geheimen  Ober-Regierungsrat  Dr.  Beckedorff,
welcher  1819  als  vortragender  Rat  in  das  Ministerium  getreten  war.
Das  Werk  wurde  jetzt  mit  frischem  Eifer  zielbewußt  in  Angriff  genommen
  und  von  den  Gesichtspunkten  aus,  welche  von  der  höchsten
Stelle  gegeben  wurden,  gefördert.  Die  von  Beckedorff  herausgegebenen
„Jahrbücher  des  Preußischen  Volksschulwesens‘“  dienten  der  gemeinsamen
  Verständigung  und  berichteten  freimütig  über  die  zahlreich
vorhandenen  Mängel  wie  über  die  crreichten  Erfolge,  vor  allem  aber