Organisation  der  Volksschule.  Lehrpläne,  Methoden,  Disziplin  u.  Lehrmittel.  125

hingewiesen  werden,  wo  zur  Zeit  ein  hauswirtschaftlicher  Unterricht
für  Volksschülerinnen  noch  nicht  besteht.

3.  Methoden  des  Unterrichts.

Hinsichtlich  der  Methoden  des  Unterrichts  geben  die  Lehrpläne
  besondere  Vorschriften,  die  natürlich  hier  nicht  einmal  kurz
skizziert  werden  können,  wenn  sie  auch  im  einzelnen  den  Pädagogen
eine  Fülle  reifen  Urteils  und  reicher  praktischer  Erfahrung  darbieten
wurden.

Das  gilt  besonders  für  den  von  dem  Stadtschulrat  Dr.  Kerschensteiner
  in  München  ausgearbeiteten  Lehrplan  für  den  Unterricht
in  der  Weltkunde  an  den  Werktags-(Volks)schulen.  Dieser  Plan
umfaßt  die  sämtlichen  Realien,  Heimatkunde,  Geographie,  Geschichte
und  Naturkunde,  und  versteht  es,  diese  Disziplinen  zu  einem
organischen  Ganzen  zu  verschmelzen,  diesem  Unterrichte  das  gesamte
Anschauungs-  und  Vorstellungsgebiet  des  Kindes  dienstbar  zu  machen,
mit  der  Benutzung  aller  landläufigen  Anschauungsmittel  den  Schulgarten,
  das  Terrarium,  das  Aquarium  und  vor  allem  die  Schülerausflüge
  in  engste  Verbindung  zu  setzen  und  an  die  Denkmäler  und
Kunstschätze,  die  historischen  Bauwerke  der  Residenzstadt  München
sowie  die  landschaftliche  Gestaltung  der  Umgegend  und  die  Industrien
der  Heimat  anzuknüpfen.

An  der  Hand  dieses  Lehrplanes  muß  es  einem  einigermaßen
geschickten  Lehrer  gelingen,  den  Kindern  nicht  nur  eine  positive
Summe  von  Kenntnissen  einzuprägen,  sondern  auch  in  ihnen  die
Fähigkeit  zu  entwickeln,  aus  den  an  der  heimatlichen  Landschaft  und
Geschichte  gewonnenen  Erfahrungen  durch  eigene  Beobachtung  zu
einem  reifen  Verständnis  der  sie  umgebenden  Naturerscheinungen  und
der  wirtschaftlichen  und  sozialen  Verhältnisse  zu  gelangen.

Als  ganz  besonders  erfreulich  muß  hervorgehoben  werden,  daß
dieser  so  eminent  praktische  Lehrplan  in  seiner  Zielsetzung  für  die
Naturkunde  ethische  und  ästhetische  Gesichtspunkte  in  den  Vordergrund
  stellt.  Es  heißt  da:  „Der  naturkundliche  Unterricht  hat  den
Schüler  so  in  die  Natur  einzuführen,  daß  er  die  einfachen  Vorgänge
und  Gesetze  in  den  Erscheinungen  der  Natur  beobachten,  verstehen
und  auf  seine  sittliche  Lebensführung  anwenden  lerne.  In  Verfolgung
dieses  Zieles  wird  zugleich  erreicht,  daß  der  Schüler  die  Natur  als
einen  weisen  Ratgeber  und  als  eine  Quelle  der  Erhebung  und  edler
Genüsse  schätzen  und  lieben  lernt.  Der  Unterricht  in  der  Naturkunde
hat  also  weder  den  Zweck,  den  Schülern  umfangreiche  theoretische