128  Volksschulwesen.

die  Hauptsache,  nicht  die  glatte  Ausführung  und  das  unfreie  Nachbilden  unwesentlicher

Einzelheiten.
Beim  Skizzieren  kommt  es  darauf  an,  daß  das  Vorbild  zwar  mit  geringen  Mitteln,

aber  getreu  wiedergegeben  wird.

Im  allgemeinen  ist  folgender  Weg  des  Unterrichtes  einzuschlagen:

Der  Schüler  wird  angeleitet,  das  Vorbild  aufmerksam  zu  betrachten  und  auf
Grund  seiner  Beobachtungen  die  Gesamtform  frei  zu  entwerfen.  Seine  Zeichnungen
vergleicht  er  mit  dem  Vorbilde,  indem  er  sie  senkrecht  daneben  stellt  oder  möglichst
weit  von  sich  entfernt  hält.  Die  Fehler,  die  ihm  hierbei  nicht  zum  Bewußtsein  kommen,
werden  durch  Visieren,  durch  Lot  und  Wage  unter  Anleitung  des  Lehrers  festgestellt
und  verbessert.  Zugleich  werden  die  Hauptschatten  eingesetzt.  Erst  nachdem  auf  (diese
Weise  der  plastische  Eindruck  des  Vorbildes  gewonnen  ist,  kann  zur  weiteren  Durchbildung
  geschritten  werden.  Hierbei  ist  besonders  darauf  zu  achten,  daß  die  geschlossene
Gesamtwirkung  nicht  durch  übermäßiges  Betonen  von  Einzelheiten  (Reflexen,  Spiegelungen
  usw.)  zerstört  wird.

Auch  bei  dem  Malen  sind  die  Schüler  anzuleiten,  zunächst  die  Haupttöne  einzusetzen,
  ihre  Richtigkeit  durch  Vergleichen  mit  dem  Vorbild  in  der  oben  angegebenen
Weise  zu  prüfen  und  bei  weiterer  Durchbildung  immer  den  Gesamteindruck  im  Auge
zu  behalten.

1.  Linearzeichnen.

Die  Benutzung  von  Vorlagen  und  Wandtafeln  ist  ausgeschlossen.  Der
Unterricht  der  Klassen  2  und  1  hat  vom  körperlichen  Modell  auszugehen.  Er  darf  aber
nicht  dabei  stehen  bleiben.  Vielmehr  sind  tunlichst  bald  Aufgaben  zu  stellen,  die  nicht
durch  ein  besonderes  Modell  veranschaulicht,  sondern  nur  durch  eine  Skizze  des  Lehrers
angedeutet  werden.  Der  Schüler  soll  auf  diese  Weise  Projektionszeichnungen  lesen  lernen.

Die  Modelle  sind  im  Grundriß,  Aufriß  und,  wenn  nötig,  auch  im  Seitenriß
zu  zeichnen.  Ferner  sind  die  im  Modell  angenommenen  Schnittebenen  und  der  Mantel
des  Objektes  darzustellen.  Sämtliche  Modelle  sind  in  recht-  und  schiefwinkliger
Parallelprojektion  wiederzugeben.  Die  Zeichnungen  sind  mit  Ziehfeder  und  Tusche  auszuführen
  und  mit  einem  ruhigen,  lichten  Farbenton  zu  überlegen.“

4.  Die  Schulzucht.

Die  Schulzucht  wird  in  den  deutschen  Volksschulen  in  erster
Linie  mit  denselben  Mitteln  ausgeübt,  die  auch  in  anderen  Kulturländern
  zur  Anwendung  kommen.  Die  vorbildliche  Persönlichkeit
des  Lehrers,  sein  freundlicher  Zuspruch,  seine  geschickte  Anleitung
und  ein  Unterricht,  welcher  das  Interesse  der  Kinder  zu  fesseln  weiß,
werden  immer  am  besten  der  Aufrechterhaltung  der  Ordnung  in  der
Schule  dienen  und  die  Arbeitsfreudigkeit  der  Kinder  am  wirksamsten
beleben.

Eigentliche  Belohnungen  spielen  im  Leben  der  deutschen  Volksschule
  nur  eine  geringe  Rolle.  Der  Platz  des  Schülers  in  der  Klasse
(die  Rangordnung),  das  am  Schlusse  des  Halbjahrs  verteilte  Zeugnis,
die  Versetzung  in  eine  höhere  Klasse  sind  neben  gelegentlich  mündlich
  oder  schriftlich  von  dem  Lehrer  ausgesprochener  Anerkennung
für  gute  Leistungen  die  gebräuchlichsten  Formen  der  Belohnung.