148  Volksschulwesen.

Freitreppen  vor  dem  Eingang  zum  Hauptflur  sind  besonders  bequem  anzulegen:
sie  dürfen  nicht  unmittelbar  vor  der  Haustür  beginnen,  müssen  vielmehr  ein  geräumiges
Podest  erhalten  und,  sobald  mehr  als  drei  Stufen  notwendig  sind,  mit  Seitenwangen  und
Schutzgeländern  versehen  werden.  Übrigens  ist  bei  Freitreppen  die  Stufenzahl  möglichst
einzuschränken.  Wo  die  örtlichen  Verhältnisse  zu  einer  mehr  als  gewöhnlichen  Erhöhung
des  Erdgeschosses  über  den  umgebenden  Boden  zwingen,  sind  zur  Verminderung  der
Stufenzahl  Rampen  anzuschütten.

Für  die  Breite  der  Ausgangstüren  ist  nach  dem  oben  angegebenen  Verhältnis
von  70  cm  für  je  100  Schüler  die  Gesamtzahl  der  im  Schulgebäude  unterrichteten  Kinder
maßgebend.  Die  Ausgangstüren  müssen  stets  nach  außen  aufschlagen  und  gegen  \Vind
und  Wetter  entweder  durch  Auflührung  eines  Vorbaues  oder  durch  Zurücklegen  in  einen
Vorraum  geschützt  werden.

$4.  Brunnenanlage.

Auf  jedem  Schulgehöft  soll,  abgesehen  von  Orten,  wo  das  Wasser  in  Zisternen
gesammelt  wird,  wenn  irgend  angängig,  ein  eiserner  Röhrenbrunnen  angelegt  werden,
welcher  gutes  Wasser  in  genügender  Menge  aus  einer  den  Verunreinigungen  von  der
Oberfläche  oder  den  oberen  Bodenschichten  her  nicht  ausgesetzten  Tiefe  bezieht.  Bei
der  Wahl  der  Stelle  des  Brunnens  ist  nicht  allein  das  Maß  der  Entfernung  von  den
nächsten  Verunreinigungsquellen,  wie  etwa  Düngerplätze,  Senkgruben  und  dergleichen,
sondern  auch  die  Filtrationsfähigkeit  des  zwischengelegenen  Bodens  sowie  die  Grefallerichtung
  etwaiger  undurchlässiger.Schichten  desselben  zu  berücksichtigen.  Kesselbrunnen
mit  gemauerten  oder  hölzernen  Wandungen  und  hölzerne  Röhrenbrunnen  gewähren,  auch
wenn  sie  anfangs  gutes  Wasser  liefern,  keine  hinreichende  Sicherheit  für  spätere  gute
Leistungen  und  sind  stets  der  Gefahr  der  Verunreinigung  des  Wassers  ausgesetzt.

$5.  Abıritte.

Für  jede  Schule  sind  Abtritte  außerhalb  des  Schullhauses,  in  der  Regel  in  einem
besonderen  Gebäude,  anzulegen;  sie  können  jedoch  auch,  wenn  sich  auf  dem  Schulgehöft
ein  Stallgebäude  befindet,  mit  diesem  unter  einem  Dach  angeordnet  werden,  müssen  dann
aber  gegen  die  Stallräume  völlig  abgeschlossen  sein.

Das  Abtrittsgebäude  ist,  wenn  tunlich,  nicht  gegenüber  der  Fensterfront  der  Schulzimmer,
  auch  nicht  in  der  Richtung,  aus  welcher  die  vorherrschende  Luftbewegung  das
Schulhaus  trifit,  anzulegen.  Im  übrigen  muß  das  Abtrittsgebäude  vom  Schulhause  angemessen
  entfernt,  jedoch  auch  nicht  zu  entlegen,  seine  Stellung  so  erhalten,  daß  die
Eingänge  vom  Schulhofe  aus  übersehen  werden  können.

In  der  Regel  ist  für  je  40  Knaben  und  für  je  25  Mädchen  ein  Sitz  anzunehmen,
außerdem  für  jeden  Lehrer,  welcher  im  Schulhause  wohnt,  ein  besonderer  abgeschlossener
Sitz.  Die  einzelnen  Sitzzellen  müssen  gut  beleuchtet  sein;  sie  erhalten  durchschnittlich
0,90  m  Breite  und  1,20  m  Tiefe  und  sind  durch  dichte  Bretterwände  von  einander  zu
trennen.  Die  Sitzöffnungen  sind  mit  leicht  abwaschbaren,  gut  schließenden  und  bequem
zu  handhabenden  Deckeln  zu  versehen.

Für  die  Knaben  sind  Pissoirstände  anzulegen,  welche  durch  0,50  m  von  einander
entfernte,  mindestens  1,20  m  hohe,  nicht  völlig  bis  zum  Fußboden  reichende  Zwischenwände
  von  einander  getrennt  werden  müssen.  Die  Stände  sind  am  besten  in  einem  mit
Schutzdach,  niedrigen  Umfassungswänden  und  Eingangsschirmwand  versehenen,  sonst  aber
ofen  und  luftig  zu  haltenden  Anbau  unterzubringen.  Auf  schickliche  Trennung  der
/ugänge  für  die  Knaben  und  Mädchen  ist  besonders  Bedacht  zu  nehmen.

Die  Abtrittsräume  müssen  überall  hell  und  gut  lüftbar  sein.

Alle,  sowohl  die  festen  wie  die  flüssigen  Auswurfstofle  sollen  in  wasserdichte
Behälter  aufgenommen  werden.  Am  besten  sind  hierzu  tragbare  (refäße,  Tonnen  oder
Kübel  geeignet,  jedoch  sind  auch  unbewegliche  Behälter,  größere  eiserne  Kästen  oder