Die  Schulhäuser.  159

Barockstils  gehalten.  Der  Gedanke,  der  den  Schöpfern  dieser  Bauten
vorschwebte,  ist  der  der  künstlerischen  Erziehung  der  heranwachsenden
Jugend.  Zu  untersuchen,  inwiefern  dieser  Zweck  durch  die  Schulbauten
  erreicht  werden  kann,  ist  hier  nicht  der  Ort.  Für  den  Pädagogen,
  der  in  seiner  täglichen  Praxis  so  manche  in  schulhygienischer
Hinsicht  unvollkommene  Anlagen  zu  beobachten  Gelegenheit  hat,
bleibt  die  erste  und  unabweisliche  Forderung,  die  er  an  ein  Schulhaus
stellt,  Luft  und  Licht  für  unsere  Kinder,  und  für  einen  Mangel
in  dieser  Hinsicht  kann  uns  keine  nach  dem  heutigen  Geschmack
bewunderungswürdige  Nachahmung  eines  Prachtbaues  aus  dem  15.  oder
16.  Jahrhundert  entschädigen.  Ein  moderner,  aus  den  Bedürfnissen
der  Schule  hervorgegangener,  origineller  Baustil  für  Schulhäuser  hat
sich  bisher  noch  nicht  entwickelt,  und  es  bleibt  der  Erfindungsgabe
der  Architekten  auf  diesem  Felde  noch  ein  weiter  Spielraum.
Größere  Bedeutung  für  die  künstlerische  Erziehung  als  die  Gesamtanlage
  des  Schulhauses  kann  wohl  die  Ausschmückung  der
einzelnen  Teile  für  sich  beanspruchen.  Die  Künstler  versuchen  hier,
durch  sinnige  Verzierung  der  Portale,  durch  anmutige  Friese  auf  den
Korridoren,  in  den  Klassenzimmern,  in  der  Aula  und  der  Turnhalle
das  Kunstempfinden  der  Kinder  zu  beleben.  Da  begrüßen  uns  schon
an  der  Tür  als  Reliefs  an  den  Portalen  anmutige  Knaben-  und
Mädchengestalten,  welche  mit  der  Mappe  unter  dem  Arme  zur
Schule  kommen  oder  das  Schulhaus  verlassen,  da  lächeln  uns  von
den  Pfeilerbändern  im  Treppenhause  fröhliche  Kindergesichter  an,  da
sehen  wir  die  Tiere  der  deutschen  Volkssage  und  Scenen  aus  unserem
Märchenschatz  im  Bilderbuchstil  in  langen  Bändern  die  Wände  der
Korridore  durchziehen.  Hänsel  und  Gretel,  Rotkäppchen,  die  sieben
Schwaben,  das  Märchen  vom  Froschkönig  atmen  in  diesen  Darstellungen
  den  naiven  Geist  und  den  halbunbewußten  Humor  der
Kindheit  und  tragen  nicht  wenig  dazu  bei,  die  Schulräume  anheimelnd
und  behaglich  zu  gestalten.  Gegenüber  der  in  älteren  Schulen  vorherrschenden
  Nüchternheit  und  Eintönigkeit  macht  sich  in  der  Ausstattung
  neuerer  Volksschulen,  ich  denke  dabei  besonders  an  Volksund
  Mittelschulen  in  Halle  und  Frankfurt  a.  M.  sowie  an  die  neuerbauten
  Mittelschulen  in  Breslau,  eine  Freude  an  lebhaften  Farben
geltend.  Rote  Türeinfassungen,  dunkelblaue  Schulbänke,  grünlich
gehaltene  Wände  und  mancherlei  frisches,  farbenfröhliches  Ornament
erinnern  zuweilen  an  die  bunte  Pracht  oberbayerischer  Bauernmöbel.
Die  Ausstattung  der  Schulhäuser  mit  Schulutensilien  cingehend
  darzulegen,  verbictet  der  beschränkte  Raum.  Das  Minimum