Die  Schulhäuser.  163

von  H.  Th.  Matthias  Meyer  „Die  Schulstätten  der  Zukunft‘,  Leopold
Voß,  Hamburg  1903.  Die  Momente,  welche  für  das  Pavillon-  bezw.
Barackensystem  und  gegen  dasselbe  sprechen,  werden  von  dem  Stadtbaurat
  Höpfner  in  Kassel  in  dem  bereits  oben  zitierten  Vortrage
kurz  folgendermaßen  zusammengefaßt  (S.  7):

„Als  Vorteile  dieser  Bauweise  werden  u.  a.  angeführt  die  Möglichkeit,
  die  Größe  der  Schule  ganz  dem  jeweiligen  Bedürfnis  durch
Erbauung  einzelner  Pavillons  anpassen  zu  können,  die  Möglichkeit
einer  besonders  guten  Lüftung  und  Beleuchtung  der  Lehrräume,  der
Fortfall  der  Treppen,  die  Möglichkeit,  beim  Auftreten  ansteckender
Krankheiten  durch  Schließung  einzelner  Klassen  die  Schließung  der
ganzen  Schule  zu  vermeiden,  die  Anordnung  getrennter  Spielplätze  usw.
Wenn  nun  auch  die  Erfahrungen  über  dieses  Schulbausystem  noch
keineswegs  als  abgeschlossen  gelten  können,  so  scheinen  doch  diesen
vermeintlichen  Vorzügen  ebenso  große  Nachteile  entgegenzustehen,
wie  z.  B.  das  Fehlen  von  Korridoren,  in  welchen  sich  die  Schüler
während  der  Pausen  bei  ungünstigem  Wetter  aufhalten  können,  die
Unmöglichkeit,  Einrichtungen,  die  der  ganzen  Schule  dienen,  wie  z.  B.
das  Schulbad,  zweckmäßig  unterzubringen,  und  die  hierin  liegende
Unzuträglichkeit  bei  deren  Benutzung,  die  mit  dem  alimählichen  Ausbau
  einer  Schule,  der  übrigens  in  rasch  wachsenden  Städten  wohl
kaum  je  in  Frage  kommen  wird,  verbundenen  häufigen  Störungen
des  Schulbetriebes  durch  die  Bauausführungen,  die  in  schultechnischer
Hinsicht  bedenkliche  Unübersichtlichkeit  der  ganzen  Anlage,  namentlich
  der  Spielplätze,  die  Schwierigkeit  der  Beheizung  einzelner  Schulgebäude
  im  Vergleich  zu  der  eines  Massenschulhauses  und  was  dergleichen
  mehr  ist.  Der  Hauptgrund  aber,  der  sich  der  weiteren
Verbreitung  dieser  Bauweise  entgegensetzen  dürfte,  scheint  mir  der
zu  sein,  daß  es  in  größeren  oder  auch  in  kleineren,  einigermaßen
rasch  wachsenden  Städten  kaum  möglich  sein  möchte,  ohne  den
Schuletat  ganz  erheblich  mehr,  als  jetzt  schon  der  Fall,  zu  belasten,
das  erforderliche  Gelände  zu  erwerben,  das  beim  Pavillonsystem,  wie
es  in  Ludwigshafen  zur  Ausführung  gekommen  ist,  etwa  die  dreifache
  Größe  von  demjenigen  hat,  welches  zum  Bau  einer  Schule
desselben  Umfanges  nach  dem  Korridorsystem  gebraucht  worden  wäre.“

Ob  die  von  bautechnischer  Seite  betonten  Mängel  des  Pavillonsystems
  sich  nicht  durch  geeignete  Maßnahmen  gänzlich  beseitigen
lassen,  soll  hier  nicht  erörtert  werden.  Es  wird  aber  doch  zu  erwägen
  sein,  ob  nicht  die  sich  rapide  entwickelnde  Technik  der  Verkehrsmittel,

  insbesondere  die  Fortschritte  in  der  Anlage  der  elek-11”
