210  Volksschulwesen

Stufen,  das  den  meisten  Anstoß  erregen  muß,  wird  wenigstens  zum
Teil  durch  die  Hilfsschulen  beseitigt  werden,  denn  diejenigen  Kinder,
welche  in  ziemlich  beträchtlicher  Anzahl  in  der  untersten  oder
nächstuntersten  Klasse  zurückblieben,  waren  tatsächlich  der  überwiegenden
  Mehrzahl  nach  geistig  anormal  und  werden  jetzt  der
Hilfsschule  überwiesen.  Aber  auch  für  jene,  welche,  ohne  geistig
anormal  zu  sein,  wesentlich  um  äußerer  Verhältnisse  willen  nur
bis  zur  Mittelstufe  oder  bis  zur  dritten  oder  zweiten  Klasse  gelangten,
  beginnt  man  jetzt  Fürsorgemaßregeln  zu  treffen.  Der  Weg,
den  man  vielleicht  auch  in  anderen  Großstädten  einzuschlagen  haben
wird,  ist  durch  den  Versuch  des  Mannheimer  Stadtschulrats
Dr.  Sickinger  vorgezeichnet.  Die  (erweiterte)  Volksschule  in  Mannheim
  enthält  ein  Normalklassensystem,  aufsteigend  von  I  bis  VIH,
und  ein  Sonderklassensystem,  dem  alle  diejenigen  Schüler  zeitweise
oder  dauernd  zugewiesen  werden,  die  dem  Unterricht  in  den
Normalklassen  nicht  zu  folgen  vermögen.  Je  nach  den  Ursachen
des  Zurückbleibens  zerfallen  die  Sonderklassen  wieder  in  Hilfsklassen
für  geistig  zurückgebliebene,  d.  h.  anormale,  und  in  Wiederholungsund
  Abschlußklassen  für  schwachbegabte  und  unregelmäßig  geförderte
Kinder.  Die  Hilfsklassen  sowie  die  gleichfalls  eingerichteten  Sprachheilkurse
  für  sprachgebrechliche  Kinder  werden  an  anderer  Stelle  Berücksichtigung
  finden;  hier  handelt  es  sich  besonders  um  die  Wiederholungs-
  und  Abschlußklassen.  Der  „Jahresbericht  über  den  Stand
der  dem  Volksschulrektorat  unterstellten  städtischen  Schulen  in  Mannheim
  im  Schuljahr  1902/03‘  gibt  eine  Darstellung  dieser  Einrichtungen,
der  wir  folgendes  entnehmen:

„Die  Wiederholungsklassen,  die  bis  zur  vierten  Klassenstufe  (cinschließlich)
  fortgeführt  werden  sollen  und  als  deren  Ergänzung  von
der  fünften  Klassenstufe  an  die  Abschlußklassen  anzusehen  sind,  haben
die  gleichen  Lehrziele  wie  die  entsprechenden  normalen  Klassen.  In
Wiederholungsklasse  I  ist  also  der  Stoff  der  normalen  I.  (untersten)
Klasse  zu  behandeln,  in  Wiederholungsklasse  II  der  Stoff  der  normalen
II.  Klasse  usw.,  jedoch  mit  der  Maßgabe,  daß  der  l,ehrer,  sofern  es
durch  die  Zusammensetzung  der  Klasse  geboten  erscheint,  sich  auf
das  Wesentlichste  des  Unterrichtsstoffes  beschränkt.  Der  Lehrplan
der  Abschlußklasse  V  ı  enthält  das  Wesentlichste  aus  dem  Stoff  der
Normalklassen  V  bis  VIII,  soweit  es  von  den  in  Betracht  kommenden
Kindern  erfaßt  werden  kann,  der  Lehrplan  der  Abschlußklassen  V  ır  und
VI  dasselbe  mit  weiteren  Ergänzungen  in  einem  zweijährigen  Turnus.“

Im  wesentlichen  bilden  die  Wiederholungs-  und  Abschlußklassen