Die  Mittelschulen.  22,3

In  Düsseldorf  werden  in  der  ersten  Klasse  der  achtklassigen
Mädchenmittelschule  an  der  Florastraße  das  Nibelungenlied,  das
Gudrunlied,  das  Lied  von  der  Glocke  und  Wilhelm  Tell  gelesen.

In  der  Knabenmittelschule  in  Halle  ist  Französisch  von  der
5.  Klasse  an  mit  wöchentlich  5  Stunden  obligatorischer  Unterrichtsgegenstand,
  Englisch  dagegen  fakultativ  von  der  2.  Klasse  an  mit
wöchentlich  4  Stunden.  Es  wird  in  der  Abschlußklasse  besonderer
Wert  darauf  gelegt,  die  Schüler  zu  befähigen,  leichte  französische
Schriftsteller  mit  Verständnis  zu  lesen  und  sich  in  den  einfachen
Formen  des  mündlichen  und  schriftlichen  Verkehrs  einigermaßen  zu
verständigen.  Sie  sollen  mit  Frankreich,  dem  französischen  Volk,
seiner  Geschichte  und  Kultur,  seinen  Bräuchen  und  Sitten  bekannt
werden,  sich  Sicherheit  in  der  Formenlehre  und  einige  Vertrautheit
mit  den  Hauptregeln  der  französischen  Syntax  aneignen.  Schon  in
den  vorhergehenden  Klassen  ist  eine  große  Anzahl  von  prosaischen
Lesestücken  und  Gedichten  gelesen  und  teilweise  gelernt  worden;
daneben  wurde  die  Grammatik  systematisch  durchgenommen.  Zur
Lektüre  diente  gelegentlich  auch  eine  längere  Erzählung,  wie  Francinet
von  Bruno.  In  der  oberen  Klasse  wird  diese  Lektüre  von  Prosastücken
  und  Gedichten  ebenso  wie  die  grammatischen  Übungen  fortgesetzt;
  zur  Lektüre  dient  hauptsächlich  ein  Werk,  welches  in  die
Welt  des  Handels  und  Verkehrs  einführen  soll:  Pierre,  le  jeune  conımergant
  von  Chaillet-Bert.  Der  englische  Unterricht  kann  naturgemäß
nur  bescheidenere  Erfolge  erzielen:  es  werden  zur  Lektüre  Lamb’s
Tales  from  Shakespeare  verwendet.

Die  mündliche  und  schriftliche  Gowandtheit  in  der  Behandlung
der  französischen  Sprache  bildet  in  den  Frankfurter  Mittelschulen,  in
denen  der  Unterricht  in  wöchentlich  5  Stunden  von  der  V.  bis  I.
Klasse  betrieben  wird,  die  Hauptaufgabe,  und  diese  Aufgabe  wird
kaum  irgendwo  besser  in  gleichwertigen  deutschen  Anstalten  gelöst.
Der  englische  Unterricht  wird  in  Frankfurt  nur  auf  der  Oberstufe  erteilt
  und  ist  nicht  allgemein  verbindlich;  es  sind  dafür  3  Stunden
wöchentlich  angesetzt.  Das  Lehrziel  ist,  die  Schüler  und  Schülerinnen
zu  befähigen,  einen  leichten  englischen  Schriftsteller  zu  verstehen  und
die  englische  Sprache  in  den  einfachsten  Formen  des  täglichen  Verkehrs
  mündlich  und  schriftlich  mit  einiger  Gewandtheit  zu  gebrauchen.

Daß  die  Realien,  insbesondere  das  Zeichnen  und  der  naturkundliche
  Unterricht,  in  den  Knabenmittelschulen  mit  ganz  besonderer
Sorgfalt  und  l.iebce  betrieben  werden,  läßt  sich  bei  dem  Charakter
der  Anstalten  von  vornherein  erwarten.