234  Die  Vulksschullehrerbildung.

falls  er  den  Schuldienst  zu  verlassen  hat,  ferner  durch  Konferenzen,  sie
fördern  sie  durch  Veranlassung  und  Unterstützung  von  wissenschaftlichen
Vorlesungen,  durch  Bibliotheken  und  durch  Zulassung  als  „Hörer“  an
Universitäten.  Zudem  gewähren  sie  reiche  Beihilfen  für  die  Sonderausbildung
  als  Lehrer  an  Blinden-  und  Taubstummenanstalten,  an
Fortbildungs-  und  Fachschulen,  sowie  für  die  seitens  einzelner  Vereine
im  Interesse  der  Lehrerweiterbildung  und  der  Volksbildung  überhaupt
ins  Leben  gerufenen  Veranstaltungen.

So  zeigt  sich  das  deutsche  Lehrerbildungswesen  als  ein  Unternehmen
  des  Staates.  Dem  Lehramte  kann  einzig  und  allein  ein
l.ebensberuf  gewidmet  werden.  Dies  wird  bedingt  durch  die  umfangreichen
  Aufwendungen  aus  Staatsmitteln,  dann  aber  vor  allem
durch  die  Wichtigkeit  und  Verantwortlichkeit  der  Aufgabe.

ERSTER  ABSCHNITT.
Geschichte  des  Lehrerbildungswesens.

I.  Die  Zeit  bis  1800.

Die  Fertigkeiten  des  Lesens,  Schreibens  und  Rechnens,  die
heutzutage  bei  jedem  normal  veranlagten  Menschen  vorausgesetzt
werden,  waren  ursprünglich  nur  im  Besitze  einiger  weniger,  in
Deutschland  zumeist  nur  bei  Geistlichen  und  Mönchen.  So  ergab  es
sich  von  selbst,  daß  in  ihren  Händen  das  Uhnterrichtswesen  lag.
Kaiser  Karl  der  Große  (+  814)  hat  das  besondere  Verdienst,  gerade
dem  Volke  das  Wissen  durch  die  Klöster  gegeben  zu  haben;  unter
seinen  Nachfolgern  hörte  das  auf.  Eine  Ausbildung  zum  Lehrberuf
gab  es  vor  dem  Reformationszeitalter  in  pädagogischer  Hinsicht  nicht.
Den  Unterricht  versahen  meist  Leute,  die  als  Gelehrte  oder  sonstwie
sich  keine  dauernde  Beschäftigung  erwerben  konnten,  und  aus  diesem
wandernden  Lehrerstand  waren  die  oft  arg  verwilderten  Studenten
bei  der  Schuljugend  nur  allzusehr  gefürchtet!  Besser  stand  es  um
die  Kloster-,  Dom-  und  Stiftsschulen,  an  denen  häufig  hochgebildete
Geistliche  den  Unterricht  erteilten;  aber  als  Stätte  der  Volksbildung,
d.  h.  als  Bildungsstätte  der  großen  Menge,  haben  sie  keine  Rolle