Geschichte  des  Lehrerbildungswesens.  235

Mit  dem  Reformationszeitalter  tritt  eine  wesentliche  Änderung
ein.  An  den  seit  dem  13.  Jahrhundert  bestehenden  (städtischen)
Schreibschulen,  welche,  im  Gegensatz  zu  den  sogenannten  Stadt-(d.
  i.  Latein-)  Schulen,  das  deutsche  Schulwesen  zum  Ausdruck
bringen  und  als  Vorgänger  der  deutschen  Volksschule  gelten  können,
unterrichten  jetzt  tüchtige  Lehrer,  vielfach  Schüler  der  Reformatoren;
die  wandernden  Magister  verschwinden  aber  immer  mehr.  Das  Schulwesen
  organisiert  sich  zum  Teil  in  Zünften,  der  Leiter  einer  Schule
ist  der  „Schulmeister‘“,  der,  wie  in  Nürnberg  um  1613,  Lehrlinge  annimmt,
  zu  Gesellen  ausbildet,  die  dann  von  der  Zunft  zum  Meister
&amp;esprochen  werden.  Von  einem  Unterricht  auf  den  Dörfern  und
kleinen  Städten  ist  allerdings  noch  nicht  viel  die  Rede.  Hier  treten
die  Küster  oder  Glöckner  dem  Pfarrer  beim  Gottesdienst  und  in  der
Gemeindetätigkeit  helfend  zur  Seite,  sie  unterstützen  ihn  bei  der
Unterweisung  der  Jugend,  übernehmen  dann  selbständig  .  die
Katechisationen,  lehren  wohl  auch  etwas  Lesen,  vielleicht  auch
Schreiben  und  Rechnen:  es  ist  der  Anfang  der  Volksschule  auf  dem
Lande.  Ihre  Vorbildung  genossen  die  Küster,  welche  später  nicht
selten  Pfarrer  wurden,  ebenso  wie  die  an  den  jetzt  deutsche  Schulen
genannten  Schreibschulen  tätigen  Schreib-  und  Rechenmeister,  vielfach
auf  den  Universitäten.  Zumeist  aber  hatten  sie  als  fahrende  Schüler
auf  den  lateinischen  Stadtschulen  das  nötige  Wissen  erworben.  Der
Charakter  dieser  Schulen  ist  meist  ein  religiöser,  selbst  Lesen  und
Schreiben  wird  häufig  nur  im  Interesse  der  Religion  gelehrt,  das
Kirchenamt  bleibt  zumeist  die  Hauptsache,  während  das  Schulamt
untergeordnete  Bedeutung  hat.

Das  Zeitalter  des  dreißigjährigen  Krieges  bedeutet  einen  Wendepunkt
  im  Volksschulwesen.  Die  Schule  ist  jetzt  nicht  mehr  ein
Unternehmen  im  Interesse  der  Kirche,  sie  wird  von  den  Pädagogen
als  etwas  Selbständiges  angesehen.  Nimmt  auch  die  Pflege  der
Religion  einen  starken  Teil  des  Unterrichts  in  Anspruch,  so  tritt  doch
energisch  der  Gedanke  der  Bildung  für  das  im  Leben  Notwendige
hervor.  Das  klassische  Beispiel  dieser  Epoche  für  derartige  Anforderungen
  ist  der  1648  veröffentlichte  Schulmethodus  Herzog  Ernst
des  Frommen  von  Gotha  (f  1675).  Außerdem  wird  aber  auch  eine
verständige  Art  und  Weise  gefordert,  wie  den  Kindern  der  Unterrichtsstoff
  gegeben  werden  soll:  Comenius  (F  1670)  begründet  die
Didaktik  und  Methodik  der  Schulen.  So  mußte  denn  auch  der
Gedanke  entstehen,  daß  hierfür  eine  gesonderte  Vorbildung  der
Lehrer  notwendig  sei.