236  Die  Volksschullehrerbildung.

In  seinem  1654  geschriebenen  Testamente  gibt  der  eben  genannte
  Herzog  Ernst  diesem  Gedanken  Ausdruck,  nachdem  schon
Ratke  (F  1635)  und  Comenius  dazu  angeregt  hatten.  Aber  erst
1698  verwirklichte  Herzog  Friedrich  I.  von  Gotha  diese  Absichten,
  indem  er  in  einer  Reihe  von  Orten  „seminaria  scholastica“
anlegte;  zehn  geschickte  Lehrer  wurden  berufen,  um  andere  zum
Unterricht  anzuweisen  und  heranzubilden.  In  der  ersten  Hälfte  des
18.  Jahrhunderts  hörte  diese  Einrichtung  allmählich  auf,  —  aber  es
war  doch  der  erste  Anfang  eines  Volksschullehrerseminars  gewesen.

Verwirklicht  hat  sich  die  Gründung  von  Lehrerbildungsanstalten
hauptsächlich  erst  seit  der  zweiten  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts.
Dem  Pietismus  gebührt  das  Verdienst,  die  Gründung  von
Seminaren  energisch  gefördert  zu  haben.  August  Hermann
Francke  (+  1727)  errichtete  in  Halle  beim  Waisenhause  ein  seminarium
  praeceptorum  und  bildete  hier  Lehrer  für  den  eigenen  Bedarf
aus.  Seine  Schüler  Johann  Christian  Schienmeyer  und  Johann  Julius
Hecker  (F  1768)  trugen  den  Seminargedanken  weiter.  Es  ist  der
Ruhm  König  Friedrich  Wilhelms  I.  von  Preußen,  das  preußische  Volksschulwesen
  begründet  zu  haben.  Er  ist  auch  der  Gründer  des  preußischen
Volksschullehrerbildungswesens.  In  Stettin  entstand  1732bezw.  1736  unter
Schienmeyers  Leitung  ein  Seminar,  1735  ein  solches  in  Kloster  Bergen
bei  Magdeburg  unter  dem  (evangelischen)  Abte  Steinmetz  (7  1762:.
Kamen  diese  Anstalten  mit  staatlicher  Hilfe  zustande,  so  sah  sich  Hecker,
der  1748  bei  der  ökonomischen  Realschule  (jetzt  Königliches  Kaiser
Wilhelm-Realgymnasium)  ein  Seminar  (jetzt  in  Köpenick)  errichtet
hatte,  zunächst  auf  private  Unterstützung  angewiesen:  durch  eine
Buchhandlung,  Schullotterien  u.  dergl.  suchte  er  die  nötigen  Gelder
zu  erhalten.  Späterhin  wurden  ihm  allerdings  zeitweise  staatliche  Zuschüsse
  bewilligt.

Etwa  gleichzeitig  entstanden  eine  Reihe  anderer  Seminare,  so
1747  Rudolstadt,  1751  durch  den  Kaufmann  Böttcher,  der  sich  sehr
für  eine  bessere  Erziehung  der  Kinder  verwandte,  Hannover,  im
selben  Jahre  Braunschweig,  1753  Wolfenbüttel.  Nach  dem  siebenjährigen
  Kriege  wurden  weitere  Anstalten  gegründet,  so  1764  in
Schlegel  bei  Glatz,  1765  in  Breslau,  beide  durch  den  Abt  Felbiger
(7  1788,  eingerichtet,  1768  Karlsruhe,  1770  Würzburg,  1778  Halberstadt,
  und  im  gleichen  Jahre  durch  den  Landesherrn  und  die  Freimaurerloge
  unterstützt,  Meiningen,  1780  Gotha,  1781  Kassel,  Detmold
und  Kiel,  1782  Schwerin,  1783  Köthen  und  Bückeburg,  1787  Altenburg
  und  Dresden-Friedrichstadt,  1788  Weimar,  1791  Bamberg,  1793