(seschichte  des  Lehrerbildungswesens.  2537

Oldenburg  u.  a.,  sodaß  am  Ende  des  18.  Jahrhunderts  fast  alle  bebedeutenden
  Staaten  Deutschlands  über  Lehrerbildungsanstalten  verfügen.
  Hatte  bis  etwa  1760  der  Pietismus  geherrscht,  der  den  Gedanken
der  Lehrerbildung  pflegt,  so  ist  es  die  Aufklärung,  welche  nunmehr
zahlreiche  Seminare  entstehen  ließ.

Eine  bedeutende  Entwicklung  hat  das  Lehrerbildungswesen  bis
zum  Jahre  1800  genommen,  und  als  ein  höchst  beachtenswerter  Erfolg
muß  es  gelten,  wenn  nach  den  ersten  Versuchen  im  Herzogtum  Gotha
das  beginnende  19.  Jahrhundert  eine  solche  Fülle  von  Seminaren  vorfindet;
  an  der  Stelle  des  Schulhandwerkers,  des  verkommenen  Studenten,
des  Invaliden,  des  entlassenen  Soldaten,  der  nur  um  ein  Unterkommen
zu  erhalten,  eine  Schulstelle  übernahm,  war  vielerorts  ein  Fachmann
getreten,  der  sich  das  Lehramt  zum  Lebensberuf  erwählt  hatte.

Aber  nicht  nur  an  Zahl  waren  die  Lehrerbildungsanstalten  gewachsen,
  sondern  auch  an  Umfang  der  Lehrpläne.  Der  Lehrplan  für
die  seminaria  scholastica  von  1698  zählt  als  Lehrgegenstände:  Anleitung
  zum  Nachschreiben  der  Predigt,  Schön-  und  Rechtschreiben,
Rechenkunst  und  Musik  auf;  die  Anleitung  zum  Unterrichten  steht
stark  im  Vordergrund.  Der  Lehrplan  Heckers  von  1751  fordert
zunächst  Anweisung  in  Katechisieren,  zum  Christentum  nach  der  Bibel
und  der  Heilsordnung,  ferner  Buchstabieren  und  Lesen,  Katechismus
unter  besonderer  Hervorhebung  der  Anwendung,  Recht-  und  Schönschreiben,
  Rechnen,  Musik  und  Seidenbau.  Ähnlich  ist  der  1752  veröffentlichte
  Lehrplan  des  Seminars  zu  Kloster  Bergen,  hier  ist  der
methodischen  Unterweisung  ein  breiter  Raum  gewährt,  und  die  Ausbildung
  im  Unterrichten  bis  in  die  Einzelheiten  festgelegt.

Liegt  bisher  der  Nachdruck  auf  der  Religion,  teilweise  sogar
herrschend,  so  ist  dies  aus  dem  Einfluß  des  Pietismus  zu  erklären.
Seit  dem  letzten  Drittel  des  18.  Jahrhunderts  erfahren  aber  die  Lehrgegenstände
  durch  den  Einfluß  der  Aufklärung  eine  wesentliche  Erweiterung
  nach  der  Seite  des  Wissens  von  der  Welt  und  der  Vorgänge
  in  ihr.  Und  ebenso  wie  die  Kanzel  zur  Aufklärung  des  Volkes
in  allerlei  praktischen  Dingen  diente,  sollte  es  auch  die  Schule.  Der
Lehrplan  des  von  Hecker  in  Berlin  begründeten  Seminars  von  1772
weist  außer  Religion,  Lesen,  Schön-  und  Rechtschreiben  und  Rechnen  als
neu  auf:  Geographie  und  Statistik  einschließlich  der  Landesverfassungs,
Geschichte,  Naturgeschichte,  sofern  sie  Einfluß  auf  die  Landesökonomie
  hat,  Meteorologie  und  die  wichtigsten  diätetischen  und
medizinischen  Regeln,  eine  kurze  Pädagogik  und  Methodik,  Vokalmusik,
  christliche  Moral,  Garten-  und  Seidenbau,  sowie  praktische