38  Die  Volksschullehrerbildung.

I.chranweisungen.  Zudem  war  freigestellt:  das  wichtigste  vom  Feldmessen,
  der  Mechanik,  physischen  Astronomie  und  bürgerlichen  Baukunst
  zu  erlernen.  Mehr  auf  den  eigentlichen  Zweck  der  Schule
geht  der  Plan  des  Seminars  in  Köthen  aus  dem  Jahre  1783,  wenn
er  auch  Latein  bietet;  er  zählt  als  Fächer  auf:  deutsche  und
lateinische  Sprache,  Christentum,  Naturhistorie,  Geographie,  biblische
und  Weltgeschichte,  Orthographie  und  Kalligraphie,  Rechnen  und
Musik.  Der  Plan  des  1784  eröffneten  Seminars  ist  ähnlich,  auch  er
führt  Latein  auf,  —  1791  kam  noch  Französisch  hinzu;  weiter  ist  besonders
  bemerkenswert:  Anweisung  zu  sittlichem  und  gesetzlichem
Verhalten  mit  Darstellung  der  von  der  Befolgung  göttlicher  und
landesherrlicher  Gesetze  abhängigen  zeitlichen  Vorteile  und  Strafen,
Haushaltungswissenschaft,  endlich  einige  Kenntnisse  aus  der  Geometrie,
Mechanik  und  Architektur.

Johann  Gottfried  Herder  (7  1803),  der  als  universaler  Geist
auch  der  Pädagogik  sein  regstes  Interesse  zugewandt  und  ihr  vicle
“Anregungen  gegeben  und  mit  außerordentlichem  Geschick  das  Erzichungswesen
  im  Großherzogtum  Weimar  gefördert  hat,  fordert  1788
in  seinem  (zweiten)  „Entwurf  eines  Seminars  zu  Lehrern  für  Landschulen“
  in  Weimar:  Methode  des  richtigen  Lesens  und  Vorlesens,
Recht-  und  Schönschreiben,  Anfertigung  von  Aufsätzen,  gemeinnützige
  Kenntnisse  in  Geographie,  Naturgeschichte,  Naturlehre,
bürgerlicher  Geschichte  usw.,  außerdem  noch  Methode  eines  guten
Unterrichts  in  der  Religion  und  biblischen  Geschichte,  Kenntnis  der
biblischen  Altertümer,  „durch  welche  der  künftige  Schullehrer  über
hundertStellen  derSchriftLicht  erhält“,  ctwasGeschichte  der  Reformation
u.  dergl.  Der  Lehrplan  des  Seminars  in  Züllichau  im  Bezirke
Frankfurt  a.  OÖ.  von  1788  zählt  außer  den  allgemein  üblichen  Fächern
wie  Religion,  Lesen  usw.  noch  auf:  Zeichnen,  Gesundheitslehre,
Kräuterkunde,  Seidenbau,  Plantagensachen,  wie  Veredeln  der  Obstbäume,
  Küchengärtnerei,  Feldmessen,  endlich  Unterricht  in  allerlei
kleinen  Handarbeiten,  um  die  Kinder  auf  dem  Lande  nützlich  zu  beschäftigen
  und  zur  Industrie  zu  gewöhnen.

Einen  Musterplan  stellt  der  Lehrplan  des  Seminars  zu  Halberstadt
  aus  dem  Jahre  1789  dar.  Verfasser  ist  höchstwahrscheinlich
der  um  die  Hebung  der  Volksbildung  hochverdiente  Pädagoge  T.berhard
  von  Rochow  auf  Rekahne  (7  1805).  Er  erklärt,  daß  es  falsch
sei,  dem  Seminaristen  nur  Methodik  zu  lehren,  ohne  ihm  Kenntnisse
zu  geben;  das  sei  einen  Armen  anweisen,  seine  Güter  zu  verwalten.
‚Andererseits  könne  der  Lehrer  wieder  mancherlei  Kenntnisse  ent-