JA  Die  Volksschullehrerbildung.

chesen  vorgelesen  und  besprochen,  auch  pädagogische  Schriften  in
Umlauf  gesetzt  wurden.  In  Württemberg  und  Lippe-Detmold
werden  sogar  ofhzielle  Lehrerkonferenzen  und  Lehrerbibliotheken  eingerichtet.
  Auch  erscheinen  die  ersten  Zeitschriften  und  Taschenbücher
für  Volksschullehrer.

2,  Das  19.  Jahrhundert.

Fine  neue  Periode  in  der  Lehrerbildung  beginnt  nach  den  Befreiungskriegen
  unter  dem  Einflusse  Pestalozzis.  Wenn  sich  auch  die
Schulen  lange  mit  solchen  Lehrern  begnügen  mußten,  die  kein
Seminar  besucht,  nicht  einmal  eine  Prüfung  abgelegt  hatten,  so  yewinnen
  doch  allmählich  die  auf  dem  Seminar  ausgebildeten  I.chrer
gegen  die  privatim  vorbereiteten  das  Übergewicht.  In  Preußen  stieg
die  Zahl  der  Seminare  von  11  im  Jahre  1806  auf  28  im  Jahre  1828
und  im  Jahre  1837  sogar  auf  45.  Daß  bis  1859  nur  noch  drei
Seminare  eröffnet  wurden,  erklärt  sich  leicht  daraus,  daß  Finde  der
vierziger  Jahre  der  preußische  Staat  hinreichend  damit  versehen  war.

Einblicke  in  den  Uhnterrichtsbetrieb  geben  die  Lehrpläne  der
Seminare  Neuzelle  und  Mörs.  Der  Plan  von  Neuzelle  fordert
zunächst  Religion,  die  zur  Bewirkung  einer  möglichst  lebendigen  Erkenntnis
  ihrer  Wahrheit  und  Göttlichkeit,  einer  fruchtbaren  Erkenntnis
der  Schrift  und  besonders  der  heiligen  Geschichte,  sowie  der  einfachsten
  Regeln  der  Schriftauslegung  dienen  soll.  Der  Sprachunterricht
  umfafst  Poesie  und  Prosa,  Grammatik,  Orthographie  und  Stilübungen.
  Das  Rechnen  und  die  Formenlehre  werden  als  vorzügliches
  Übungsmittel  des  Denkvermögens  bezeichnet.  Als  Fächer
folgen  dann  Zeichnen,  Schönschreiben  und  Musik.  Aus  der  physischen,
mathematischen  und  politischen  Geographie  ist  alles  zu  lehren,  was
zum  Gebrauche  einer  Landkarte,  eines  Globus  und  zur  Kenntnis  des
Vaterlandes,  besonders  der  Heimatsprovinz,  beiträgt.  Die  Naturwissenschaft
  wird  in  Naturgeschichte  und  Naturlehre  gegliedert.  Aus
der  Geschichte  wird  nur  das  Fachwerk  eingeprägt,  die  biblische
dagregen  unter  Hinweis,  wie  die  großen  Männer  die  Ratschläge  der
Vorsehung  vollzogen,  und  wie  sich  unter  ihrem  Einfluß  das  Böse
zum  Beförderungsmittel  des  Guten  gestaltete.  Sodann  werden,  dem
Zuge  der  Zeit  folgend,  gymnastische  Übungen  angeordnet,  da  die
meisten  Seminaristen  vom  Lande  kommen,  und  durch  ein  fortwährendes
angestrengtes  Stubenleben  ihrer  Gesundheit  Gefahr  drohen  würde.
Ferner  wird  Didaktik  und  Schulmeisterklugheit  gelehrt,  indem  jederzeit
  praktische  Übungen  zur  Seite  gehen.  Um  den  gering  besoldeten