Geschichte  des  I.ehrerbildungswesens,  241

Lehrern  die  Möglichkeit  zum  Nebenerwerb  zu  geben,  soll  die  Gelegenheit
  zum  Erlernen  eines  mechanischen  Nebengeschäftes,  wie  Tischlern,
Drechseln,  Korb-  und  Strohflechten  und  dergleichen  geboten  werden.
‚\ußerdem  wird  Gärtnerei  und  Bienenzucht  getrieben.  Der  Lehrplan
des  Seminars  Mörs  aus  dem  Jahre  1823  weist  als  Lehrgegenstände
auf:  Religion,  Sprachunterricht,  Zahlen-  und  Größenlehre,  Naturkunde,
Geschichte  und  Geographie,  Pädagogik  und  Didaktik,  Zeichnen  und
Schreiben,  Theorie  der  Musik  und  Gesang,  Übungen  im  Unterrichten,
Obstbaumzucht.  In  Religion  wird  biblische  Geschichte,  Kenntnis  der
Heiligen  Schriften  nach  Inhalt  und  nach  den  Lebensumständen  der
Verfasser,  Glaubens-  und  Pflichtenlehre  geboten.  Der  Sprachunterricht
zerfällt  in  einen  logischen  und  grammatischen  Teil,  nämlich  in  Sprachfertigkeit
  und  Sprachrichtigkeit.  Die  Geschichte  beginnt  mit  der
biblischen  und  der  alten  Geschichte,  gibt  sodann  die  Weltgeschichte
von  Ausbreitung  des  Christentums  bis  zum  dreißigjährigen  Kriege,
und  von  da  an  in  größerer  Ausführlichkeit  die  Geschichte  Deutschlands
  und  Preußens.

Eingehend  handelt  Wilhelm  Harnisch  (f  1864),  der  einen
sroßen  Einfluß  auf  die  Gestaltung  des  deutschen  Volksschulwesens
gehabt  hat,  über  die  Schullehrerbildung  in  seinem  1836  erschienenen
gleichnamigen  Buche  über  sie.  Er  verlangt  einen  gründlichen  kirchlichen
  Unterricht  in  der  Christenlehre,  weiter  Sprachlehre  unter  Verarbeitung
  der  besten  Schriftsteller  der  Nation,  Weltkunde,.  Mathematik,
Musik,  Zeichnen,  Berufskenntnisse  und  Berufsfertigkeiten.  Die  Religion,
Harnisch  nennt  sie  Gottseligkeit,  soll  ihren  Weg  durch  Bibel,
Katechismus  und  Gesangbuch  nehmen  und  auf  das  Gefühl  und  den
Willen  der  Seminaristen  einwirken.  Die  Weltkunde  umfaßt  Naturgeschichte,
  Naturlehre,  Geographie  und  Geschichte;  sie  soll  die
einzelnen  Fächer  zu  einem  Ganzen  vereinen,  und  dadurch  eine
Dienerin  der  Gottseligkeit  sein,  indem  sie  staunende  Blicke  ın  die
Weite  der  Welt  tun  läßt.  Die  Größeniehre  wird  als  Konstruktion
der  Welt  in  Raum  und  Zeit  aufgefaßt.  Dazu  treten  dann  die  Übungen
im  Unterrichten,  sowie  Erwerbstätigkeit  —  im  Sommer  Garten-  und
Feldbau,  im  Winter  andere  Arbeiten  —,  sie  soll  für  das  künftige
leibliche  Beste  sowie  zur  Erholung  dienen.

Auch  Diesterweg  (f  1866)  hat  einen  Entwurf  über  die  Gestaltung
  der  Lehrerbildung  veröffentlicht  (1849).  Drei  Gedanken
treten  scharf  hervor.  Zunächst  legt  er,  wie  auch  bei  der  Volksschule,
größten  Wert  auf  die  formale  Bildung.  Er  betont  weiter,  daß  die
Allgemeinbildung  im  Seminar  weder  vollendet  noch  ausgebildet  werden

Das  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich  11.  16