Die  Tehrerbildungsanstalten.  245

ZWEITER  ABSCHNITT.

Die  Lehrerbildungsanstalten.

A.  Preußen.
I.  Allgemeines.

Das  Lehrerbildungswesen  wird  von  dem  Ministerium  der  geistlichen,
  Unterrichts-  und  Medizinalangelegenheiten  geleitet.  Die  besondere
  Fürsorge  für  Seminare  und  Präparandenanstalten,  sowie  das
Prüfungswesen,  ist  den  Provinzial-Schulkollegien  übertragen,  während
die  Regierungen  und  die  ihnen  unterstellten  Kreisschulinspektoren  die
Weiterbildung  im  Amt  fördern.  Eine  wichtige  Tätigkeit  des
Ministeriums  besteht  darin,  stets  für  das  Vorhandensein  der  zur  Volksbildung
  nötigen  Lehrer  Vorkehrungen  zu  treffen.  Die  Bevölkerung
ist  in  den  letzten  Jahrzehnten  dauernd  gewachsen,  und  damit  auch
der  Bedarf  an  Lehrern.  Zudem  erwies  sich  die  noch  in  den  vierziger
und  fünfziger  Jahren  des  19.  Jahrhunderts  teilweise  übliche  private
Vorbereitung  zum  Lehramt  als  nicht  sonderlich  nützlich.  Darum  hat
das  Ministerium  seit  Erlaß  der  Allgemeinen  Bestimmungen  eine
ganze  Reihe  neuer  Seminare  eröffnet;  die  Zahl  stieg  von  64  im
Jahre  1872  auf  gegenwärtig  133.  Weitere  Neugründungen  sind  in  den
nächsten  Jahren  zu  erwarten.  Treten  besondere  aber  vorübergehende
Umstände  ein,  wie  eine  augenblicklich  auffallend  starke  Bevölkerungszunahme
  in  einem  Bezirk,  oder  vermehrte  Pensionierungen  älterer
Lehrer,  dann  werden  an  den  Seminaren  sogenannte  Nebenkurse  eingerichtet,
  die  nach  Deckung  des  Bedarfs  an  Lehrern  wieder  aufhören.
Zahlreiche  Nebenkurse  wurden  beispielsweise  eingerichtet,  als  1895
die  Bestimmung  erging,  die  Lehrer  hätten  ihrer  Militärpflicht  statt
10  Wochen  ein  Jahr  zu  genügen,  um  dem  dadurch  bedingten  augenblicklichen
  Ausfall  vorzubeugen.  Außerdem  ist  es  das  Bestreben  des
Ministeriums,  die  Seminare  gleichmäßig  über  das  Land  zu  verteilen
und  nicht  einen  einzelnen  Bezirk  besonders  zu  bevorzugen.  Auch  in
den  nicht  so  stark  bevölkerten  Gegenden  finden  sich  hinreichend
Seminare,  um  Gelegenheit  zu  geben,  den  Lehrerberuf  zu  ergreifen;
denn  die  Möglichkeit  der  Ausbildung  ist  für  viele  eine  wichtige  Veranlassung,
  sich  ihm  zuzuwenden.

Die  Ausbildungszeit  des  Volksschullehrers  beträgt  sechs  Jahre,
von  denen  je  die  Hälfte  auf  Präparandenanstalt  und  Seminar  entfallen.