248  Die  Volksschullehrerbildung.

Lehrer-  und  Lehrerinnenseminare  sowie  für  Präparandenanstalten  im
Rechnungsjahr  1903  1  717540  M.  erforderten.  Im  Rechnungsjahre  1%
gab  das  Ministerium  für  Lehrer-  und  Lehrerinnenbildung  6,01  °/,  von
den  dauernden,  von  den  einmaligen  und  außcrordentlichen  Ausgaben
9,506  0/,  seines  Gesamthaushaltes  aus.

I.  Das  Lehrpersonal.

Geleitet  wird  jedes  Seminar  von  einem  Direktor  —  ein  Teil  von
ihnen  besitzt  den  Titel  Schulrat  —,  ihm  zur  Seite  steht  der  Erste
Seminarlehrer,  welcher  den  Titel  Seminaroberlehrer  führt,  sowie  5
oder  $  Seminarlehrer.

Man  hat  gesagt,  daß  die  Volksschullehrerbildung  einzig  von  der
Bildung  der  Seminarlehrer  abhinge,  und  hat  als  alleinige  Lösung  jener
seit  Jahren  schwebenden  Frage  diese  gegeben:  umfassende  wissenschaftliche,
  künstlerische  und  pädagogische  Bildung  der  Seminarlehrer!
  Diese  Lösung  drückt  einen  grundlegenden  Gedanken  in
allerdings  recht  schroffer  Form  aus,  daß  es  nämlich  im  Seminar  ganz
hervorragend  auf  die  Lehrenden  ankommt.  Was  nutzen  alle  neuzeitlich
  gestalteten  Lehrpläne  und  alle  vorzüglichen  Lehrmittel  und  das
beste  Schülermaterial,  wenn  es  den  Sceminarlehrern  am  nötigen
Können,  vielleicht  auch  Wollen  fehlt.  Andererseits  vermag  ein  tüchtiger
  Lehrer  auch  gering  veranlagte  Seminaristen  bei  einem  veralteten
Lehrplan  und  dürftigen  Lehrmitteln  zu  höchst  beachtenswerten  Leistungen
  zu  führen.  Nach  zwei  Richtungen  muß  sich  die  Durchbildung
der  Seminarlehrer  bewegen,  nach  der  pädagogischen  und  nach  der
wissenschaftlich-künstlerischen  bezw.  technischen  Seite.

Pädagogisch  gebildet  sein  heißt  für  den  Seminarlehrer  selbst
ein  Erzieher  sein  und  andere  zum  Erziehen  anleiten  zu  können.
Keineswegs  sind  Lehrer  immer  rechte  Erzieher,  für  den  Seminarlehrer
ist  es  jedoch  unerläßlich.  Alle  Forderungen,  die  an  einen  Erzieher
gestellt  werden,  gelten  für  ihn  in  besonders  hohem  Mafie,  aber  sie
erweitern  sich.  Er  hat  nicht  mehr  Schüler  vor  sich,  die  noch  Kinder
sind,  sondern  Zöglinge,  die  trotz  ihres  jugendlichen  Alters  bald  als
Männer  vor  die  Schuljugend  treten  und  in  den  Gemeinden,  wo  sie
wirken,  als  geachtete  Männer  dastehen  sollen.  Hier  ist  mit  den  allscmeinen
  Erziehungsregeln  und  -mitteln  nicht  mehr  viel  zu  machen,
hier  ist  es  in  erster  Linie  ein  hervorragendes  Taktgrefühl,  das  Erfolge
erzielen  kann.  Der  Seminarlehrer  hat  im  Sceminaristen  seinen  künftisen
  Kollegen  zu  schen,  —  denn  mit  Stolz  darf  er  von  sich  sagen,