Die  Tehrerbildungsanstalten.  251

schaftler  Anstellung  im  Seminardienst  gefunden.  Die  Frage,  welches
denn  die  rechte  Vorbildung  eines  Seminarlehrers  sei,  wird.  schon  seit
langem  erörtert.  Zwei  Richtungen  stehen  teilweise  unvermittelt
gegenüber.  Auf  der  einen  Seite  wird  behauptet,  ein  Volksschullehrer,
  der  tüchtig  weiter  gearbeitet  habe,  könne  der  Stellung  vollkommen
  genügen,  sogar  die  Ablegung  der  Mittelschul-  und  der
Rektorprüfung  sei  überflüssig,  —  fast  alle  Bundesstaaten  außer  Preußen
verzichteten  darauf.  Dann  ist  andererseits  die  Frage  der  Vorbildung
der  Seminarlehrer  in  engen  Zusammenhang  mit  der  Forderung  des
Universitätsstudiums  der  Lehrer  gebracht  worden.  Wohl  besteht  die
Tatsache,  daß  die  Akademiker  nicht  immer  die  volle  pädagogische
und  methodische  Schulung  besaßen,  welche  das  Seminar  erfordert,
während  den  seminaristisch  gebildeten  Lehrern  teilweise  die  wissenschaftliche
  Vertiefung  fehlte.  Am  glücklichsten  erscheinen  die  seminarisch
  und  zugleich  akademisch  Vorgebildeten.

Auf  jeden  Fall  fordert  der  Seminarunterricht  eine  Reihe  solcher
Kräfte,  die  eine  seminarische  Schulung  besitzen,  ebenso  bleibt  es  ausgeschlossen,
  das  akademische  Moment  zu  entbehren.  Keineswegs  ist
es  aber  notwendig,  daß  beides  in  einer  Person  vereinigt  sei.  Die
bisherige  gemeinsame  Wirksamkeit  von  Akademikern  und  Seminarikern
hat  sich  für  eine  gesunde  Entwicklung  des  Lehrerbildungswesens  als
brauchbar  erwiesen.

Die  Notwendigkeit  einer  umfassenden  Bildung  für  Seminarlehrer  ist
auch  von  seiten  des  Ministeriums  anerkannt  worden.  Seit  1897  veranstaltet
  es  nämlich  in  Berlin  wissenschaftliche  Fortbildungskurse,  die
erst  allgemein  der  Weiterbildung  der  Volksschullehrer,  jetzt  aber  zur
Erlangung  tüchtiger  Seminarlehrer  bestimmt  sind.  Der  Zweck  des
Kursus  ist,  wie  sein  Name  ausdrücklich  besagt,  eine  wissenschaftliche
Behandlung  der  gebotenen  Gegenstände  zu  geben.  Zugleich  sollen
auch  die  zahlreichen  Bildungsmittel  Berlins  erschlossen  werden,  wie
Museen,  Sammlungen,  Einrichtungen  volkswirtschaftlicher,  gesundheitlicher,
  sozialer  und  humanitärer  Art.  Diesem  Zwecke  dienen  sowohl
Vorlesungen  als  auch  Kolloquien  und  besondere,  den  Teilnehmern
am  Kursus  vorbehaltene  Handbibliotheken  für  die  einzelnen  zur  Behandlung
  kommenden  Fächer.

Jeder  hat  an  folgenden  Vorlesungen  teilzunehmen:  1.  Pädagogik
und  Philosophie,  2.  deutsche  Sprache  und  Literatur,  3.  Kultur-  und
Kunstgeschichte,  4.  Hygiene,  5.  Volkswirtschaftslehre.  Als  wahlfreie
Fächer  werden  Vorlesungen  gehalten  über  1.  Mathematik,  2.  Geographie,
  3.  Physik,  4.  Chemie,  5.  Zoologie,  6.  Physiologie  der  Sprache