Die  J.ehrerbildungsanstalten.  257

Nachteile  des  Internats  und  Externats  für  die  künftigen  Volksschullehrer
  zu  erwägen.  Dabei  ist  scharf  zu  scheiden  zwischen  Präparanden
und  Seminaristen,  zwischen  pädagogischen  und  wirtschaftlichen
Gründen.

Der  Präparand  tritt  mit  dem  14.  oder  15.  Lebensjahre  in  eine
Präparandenanstalt  ein.  Selten  befindet  sie  sich  an  seinem  Heimatsort,
  er  muß  daher  in  den  meisten  Fällen  das  Elternhaus  und
dessen  erziehenden  Einfluß  entbehren,  wo  er  ihn  noch  nicht  entbehren
  kann.  Was  soll  nun  dafür  eintreten?  Worin  soll  die  Familienerziehung
  einen  Ersatz  finden?  Da  erscheint  es  selbstverständlich,
diese  fortzusetzen  und  den  Präparanden  in  einer  Familie  unterzubringen.
  Ein  pädagogischer  und  ein  wirtschaftlicher  Grund  stellen
dem  Bedenken  entgegen,  —  werden  sich  auch  geeignete  Familien
finden  —  und  werden  die  Eltern  die  nicht  unerheblichen  Pensionskosten
  tragen  können.

Die  Gründe,  weshalb  solche  jungen  Leute  von  Familien  in
Pension  genommen  werden,  sind  fast  ausschließlich  in  der  Notwendigkeit
  des  Gelderwerbes  zu  suchen.  Wohlhabende  werden  selten  dazu
bereit  sein,  und  wegen  der  vielen  Umständlichkeiten  und  Mühen  entschließen
  sich  Familien,  die  den  gebildeten  Kreisen  angehören,  nicht
gern  dafür.  Leicht  liegt  aber  die  Gefahr  vor,  daß  die  Bildungssphäre
  der  sogenannten  Pensionseltern  für  den  Präparanden  ungeeignet
  ist,  daß  aber  auch  Wohnung  und  Kost  minderwertig  sind.
Dadurch  kann  aber  die  körperliche  und  geistige  Ausbildung  des
Präparanden  leiden,  und  höchst  ungünstige  erziehliche  Einflüsse  vermögen
  sich  geltend  zu  machen.  Ferner  ist  die  Aufsicht  seitens  der
Lehrer  über  die  Präparanden  recht  schwierig:  3  bis  4  Präparandenlehrer
  sind  außerstande,  etwa  100  Zöglinge,  selbst  wenn  sie  nur  auf
15  bis  20  Pensionen  verteilt  sind,  hinreichend  zu  inspizieren.  Auch
entschließen  sich  die  Pensionseltern  nur  zu  oft,  ihren  Pfleglingen
unerlaubte  Dinge  zu  gewähren,  wie  Rauchen,  Nichtinnehalten  der
Arbeitsstunden,  spätes  Zubettegehen,  Urlaubsüberschreitungen  und
dergleichen,  damit  keine  Beschwerden  über  mangelhaftes  Essen  usw.
erfolgen.  Auch  stellt  die  Pension  in  Familien  sich  wesentlich  teurer
als  die  Kosten  im  Internat.  Andererseits  gewährt  dieses  dem  Präparanden
  weit  bessere  Aufsicht,  und  in  ihrem  Lebensalter  brauchen  sie
diese  recht  dringend.  Das  gemeinsame  l.eben  mit  einer  genau  geregelten
  Hausordnung,  die  auch  für  das  Externat  besteht,  sich
dort  aber  schwer  durchführen  läßt,  bedeutet  ein  wichtiges  Erziehungselement,
  das  bei  manchem  verwöhnten  Muttersöhnchen  und  bei

Das  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  111.  17