Die  l.chrerbildungsanstalten.  &gt;59

Verhältnis  zu  den  Zöglingen  regeln  muß,  ist  bereits  in  dem  Abschnitt:
Das  Lehrpersonal,  besprochen  worden,  hier  soll  nur  noch  von  der
Bedeutung  der  Wohnung  hierfür  die  Rede  sein.

Gegen  das  Externat  der  Seminaristen  machen  sich  gleiche
Gründe  wie  unter  Umständen  bei  den  Präparanden  geltend:  geeignete
Familien  lassen  sich  nicht  leicht  finden,  die  Kosten:  sind  wesentlich
höher  als  im  Internat.  Dem  gegenüber  sprechen  aber  andere  Erwägungen
  ganz  wesentlich  für  das  Externat:  der  Seminarist  lernt
hier  mit  der  Freiheit,  die  ihm  bald  das  Amt  bringt,  umgehen,  und
lernen  muß  er  es,  will  er  den  eben  dargelegten  Forderungen  des
Berufes  an  seine  Person  genügen  und  nicht  straucheln.  Es  ist  aber
sehr  schwer  zu  vermeiden,  daß  selbst  dem  besten  Internat  der  Charakter
  der  Unfreiheit  anhaftet.  In  der  Natur  der  Sache  liegt  es  begründet,
  daß  je  größer  die  Zahl  der  Zusammenwohnenden  ist,  um
so  beschränkender  die  Vorschriften  sein  müssen,  welche  durch  die
gegenseitige  Rücksichtnahme  geboten  werden.  Im  Externat  vermag
der  Seminarist  die  ihm  gewährte  Freiheit  gebrauchen  zu  lernen,  er
vermag  hier  zu  tun,  was  Pflicht  und  gute  Sitte  heischt,  ohne  unter
dauernder  Kontrolle  zu  stehen  wie  im  Internat.  Den  Präparanden
muß  das  strenge  Geschlossensein,  als  seinem  Lebensalter  entsprechend,
erziehen,  für  den  Seminaristen  ist  das  Gebundensein  in  der  Freiheit
zu  fordern.  Wird  dem  Präparanden  gesagt,  du  sollst  dieses  tun,
jenes  aber  lassen,  so  hat  sich  der  Seminarist  selbst  zuzurufen:  ich  will
und  muß  dieses  mir  versagen,  jenes  aber  vollbringen.  Nicht  im  fast
hermetischen  Abschließen  vor  den  Gefahren  der  persönlichen  Bewegungsfreiheit
  wird  der  Seminarist  vor  ihnen  behütet,  sondern  ındem
  er  lernt,  ihnen  erfolgreich  entgegenzutreten.  Nicht  im  ängstlichen
  Fliehen  vor  dem  Feinde,  sondern  im  trutzigen  Stirnebieten
wird  der  Charakter:  gestählt  und  gegen  Hieb  und  Stoß  gefeit.  Wer
wie  der  junge  Lehrer  sofort  nach  Verlassen  des  Seminars  in  eine
derartig  selbständige  Stellung  tritt,  muß  geschult  sein,  sich  ohne  fortgesetzte
  Aufsicht  richtig  zu  bewegen,  ihm  muß  der  kategorische  Inıperativ
  der  Pflicht  in  Fleisch  und  Blut  übergegangen  sein  —  das  alles
gibt  ihm  aber  das  Externat  in  ganz  anderm  Maße  als  das  Internat.

Trotzdem  kann  unter  bestimmten  Umständen  das  Internat  den
Vorzug  verdienen.  Gerade  in  der  Reichshauptstadt  hat  sich  das  Internat
  als  eine  Notwendigkeit  erwiesen,  da  bei  den  weiten  Entfernungen
  der  elterlichen  Wohnungen,  die  teilweise  in  Vororten  liegen,

die  Seminaristen  zu  viel  Zeit  durch  Hin-  und  Rückwege  —  miitunter
  vier  Stunden  täglich  —  verlieren  und  sich  am  frühen  Morgen,

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