Die  Lehrerbildungsanstalten.  261

Seminarunterrichts  zugleich  eine  für  die  Volksschule  bezügliche
methodische  Unterweisung  zu  geben,  damit  der  künftige  Volksschullehrer
  befähigt  ist,  selbst  später  in  der  rechten  Weise  zu  unterrichten.
Die  Fachausbildung  wird  dadurch  mit  der  Allgemeinausbildung  verquickt.
  Es  muß  aber  einleuchten,  daß  für  einen  Seminaristen  von
17  bis  22  Jahren  unmöglich  dieselbe  Lehrform  angebracht  sein  kann,
wie  für  Kinder  von  6  bis  14  Jahren.  Die  neuen  Lehrpläne  haben
diese  Forderung  fallen  lassen,  indem  sie  scharf  zwischen  der  Allgemein-
  und  Fachausbildung  scheiden.  Die  ÜUnterrichtsform  der
Volksschule  wird  fortan  in  den  praktischen  und  theoretischen
Methodikstunden  der  zweiten  und  ersten  Klasse  gelehrt.

Die  Seminarmethodik  hat  sich  dem  Lebensalter  und  dem
Bildungsstandpunkt  der  Seminaristen  gemäß  zu  gestalten.  Einen
breiten  Raum  nimmt  im  Volksschulunterricht  die  Entwicklung  durch
Frage  und  Antwort  und  sodann  das  Üben  und  Wiederholen  ein.
Auch  das  Entwickeln  bleibt  für  den  Seminarunterricht  ein  Ideal,
mangelnde  Zeit  wird  es  oft  unmöglich  machen.  Trotzdem  der
Seminarlehrer  vielfach  zur  vortragenden  Form  greifen  muß,  kann  er
doch  entwickeln,  er  muß  nur  nicht  pedantisch  auf  Frage  und  Antwort
  bestehen;  sein  Vortrag  soll  sogar  einen  durchaus  entwickelnden
Charakter  tragen  und  keine  fertigen  Unterrichtsergebnisse  mitteilen.
Um  den  durchgenommenen  Stoff  zu  klären,  befestigen  und  einzuüben,
  wird  er  in  der  Schule  zergliedert,  noch  einmal  abgefragt,  zusammengefafßtt
  und  sofort  wiederholt.  Nur  in  Ausnahmefällen  dürfte
dies  im  Seminar  zulässig  sein.  Der  geistige  Standpunkt,  die  infolge
des  Lehrpensums  fehlende  Zeit  verbieten  es.  Auch  das  Üben  und
Wiederholen  des  eben  durchgenommenen  Stoffes  in  derselben  Unterrichtsstunde
  ist  für  das  Seminar  ausgeschlossen;  der  Seminarist  muß
von  selbst  den  nötigen  Trieb  haben,  sich  das  geforderte  Wissen  einzuprägen.


Die  Wiederholung  auf  dem  Seminar  kann  sich  nur  als  Kontrolle,
ob  das  Durchgenommene  eingeprägt  ist,  gestalten.  Wo  die  Erinnerung
  an  die  Lehrstunde  nicht  mehr  ausreicht,  greift  das  Lehrbuch
ein.  Wo  dieses  im  Stich  läßt,  ist  es  für  das  Seminar  sehr  wohl  angebracht,
  die  Hauptergebnisse  der  Unterrichtsstunde  in  wenigen  Stichworten
  kurz  zu  diktieren,  um  der  Wiederholung  einigen  Anhalt  zu
geben;  doch  darf  sich  das  nur  auf  Ausnahmefälle  beschränken.  Nachschreiben
  während  der  ganzen  Stunde  ist  ausgeschlossen.  Statt  des
Wiederholens  und  Übens  muß  im  Seminar  in  umfassender  Weise  das
Stellen  von  Aufgaben  eintreten,  sei  es,  daß  sie  sofort  gelöst  werden,