Die  Lehrerbildungsanstalten.  263

vor  allem  die  nötige  Zeit.  Er  muß  die  Ergebnisse  der  Wissenschaft
mehr  oder  minder  hinnehmen,  wenn  seine  Lehrer  sie  ihm  im  entwickelnden
  Unterrichte  und  die  populär-wissenschaftliche  Literatur
darüber  darbieten.  Im  Amte  stehend  möge  er,  wenn  Neigung  und  Befähigung
  vorhanden  ist,  selbständig  forschen.  Auf  jeden  Fall  ist  ihm
aber  dringend  zu  raten,  sich  im  fleißigen  Selbststudium  erst  das  zu
eigen  zu  machen,  was  die  Meister  auf  dem  Gebiete  der  einzelnen
Wissenschaften  erarbeitet  haben.

Die  neuere  Handhabung  des  Seminarunterrichts  birgt  eine  gewisse
  Gefahr  in  sich,  es  der  Universität  gleich  zu  tun.  Bezüglich  des
freien  Forschens  war  das  schon  oben  abgelehnt  worden,  auch  für  den
Unterricht  eignet  sich  das  „Vorlesung  halten‘  nicht,  wie  es  nach  den
Berichten  alterLehrer  in  den  Seminaren  vor  1848  garnicht  selten  geschah.
Der  Seminarlehrer  soll,  wie  schon  früher  dargelegt,  entwickeln,  und  zwar
wenn  möglich  auf  Grund  von  Quellen  und  Experimenten.  Die  Wiederholung
  ist  zur  Kontrolle  des  Verstandenseins  und  der  Einprägung
notwendig.  Sie  geschieht  meist  in  Form  des  Vortrags,  indem  nicht
selten  alles  Durchgenommene  wörtlich  und  getreulich  vom  Seminaristen
  referiert  wird.  Bei  diesem  Verfahren  liegt  aber  leicht  das
Unterrichtsergebnis  nicht  in  freier  Beherrschung  des  Stoffes,  sondern
in  Dressur  und  angelerntem  Wissen.  Abgesehen  davon,  daß  bei  der
außerordentlichen  Überlastung  der  Seminaristen  durch  den  „Vortrag“
übermäßige  Forderungen  an  die  Gedächtnis-  und  Nervenkraft  gestellt
werden,  kommt  es  doch  nur  auf  das  wesentliche  an,  und  die  Beherrschung
  des  Stoffes  zeigt  sich  am  besten  durch  Lösen  von  Aufgaben,
  deren  Notwendigkeit  bereits  betont  wurde.

6)  Die  Allgemeinbildung.

Der  Seminarunterricht  verfolgt  sowohl  durch  die  Allgemein-  wie
durch  die  Berufsbildung  bestimmte  Erziehungsziele.e.  Der  Allgemeinunterricht
  will  eine  religiöse,  nationale  und  soziale,  eine  ästhetische
und  intellektuelle  und  endlich  eine  körperliche  Bildung  bezw.  Ausbildung
  geben.

Religion  und  Vaterland,  Thron  und  Altar,  wie  man  gesagt  hat,
sind  die  Grundlagen  des  deutschen  Schulwesen.  Namentlich  die
Religion  ist  einer  der  wichtigsten  Erziehungsfaktoren,  deren  Pflege
der  Staat  sorgfältig  überwacht,  und  die  er  nicht  privatem  Belieben
überläßt.  Solange  er  den  Anspruch  macht,  ein  christlicher  zu  sein,
muß  er  auch  das  Christentum  in  das  von  ihm  geleitete  Schulwesen