264  Die  Volksschullehrerbildung.

eingliedern..  Darum  überläßt  er  die  religiöse  Erziehung  nicht  der
Kirche  allein,  sondern  beteiligt  sich  daran  in  hervorragender  Weise.

Seit  Jahren  wird  an  Stelle  des  Religions-  ein  Moralunterricht
gefordert.  Es  ist  darauf  hingewiesen  worden,  dafs  alle  Bürger  vor
den  Staatsgesetzen  gleich  wären,  daß  daher  in  der  Schule  nur  das
gelehrt  werden  dürfe,  was  allen  Religionen  gemeinsam  ist,  nämlich
die  Sittenlehre.  Ferner  würden  durch  den  nach  Kirchengemeinschaften
  gesonderten  Religionsunterricht  Spaltungen  bereits  in  den
jungen  Gemütern  hervorgebracht,  indem  das  Trennende  der  Bekenntnisse
  und  nicht  das  einigende  Band  des  Glaubens  zu  sehr,  ja
fast  ausschließlich  in  den  Vordergrund  trete.  Darum  möge  der
Religionsunterricht  den  einzelnen  Religionsgemeinschaften  überlassen
bleiben.

Letzterer  Grund  ist  schlechterdings  nicht  zurückzuweisen,  —
aber  darum  ist  es  doch  nicht  gleich  nötig,  die  Religion  aus  der
Schule  zu  bannen!  Es  wird  hier  auf  die  rechte  Handhabung  des
Unterrichts  ankommen;  gewiß  muß  das  Trennende  besprochen,  aber
nicht  minder  scharf  darf  das  Gemeinsame  betont  werden,  stets  ist
darauf  hinzuweisen,  daß  die  volle  Erkenntnis  der  religiösen  und
christlichen  Wahrheit  erst  das  Jenseits  bringt.  Zudem  ist  ein  Moralunterricht
  ohne  metaphysische  Grundlage  nicht  möglich,  oder  er  löst
sich  in  eine  Sammlung  von  Sittenlehren  auf,  für  deren  Befolgen  der
zwingende  Grund  fehlt.  Jenes  Kantische  Wort:  „Du  kannst,  denn
du  sollst“,  setzt  dagegen  notwendig  das  Postulat  eines  transzendenten
Gottes  voraus.  Es  ist  aber  keine  Veranlassung,  weshalb  im  christlichen
  Staate  der  Unterricht  christlicher  Kinder  sich  auf  ein  höchstes
Wesen  beschränken  soll,  das  auf  dem  Wege  der  Philosophie  gefunden
  wird.  Gott  hat  sich  den  Christen  offenbart,  auf  dieser  Grundlage
  baut  sich  auch  das  Glaubens-  und  Sittenleben  des  Menschen  auf.
Es  würde  eine  Verleugnung,  zum  mindesten  arge  Geringschätzung
des  „Besten  in  der  Welt“,  wie  der  englische  Naturforscher  Drummond
das  Christentum  genannt  hat,  bedeuten,  wenn  die  Schule  einen
kalten  Moralunterricht  verkünden  und  nicht  die  Religion  von  der
göttlichen  Liebe  verkünden  würde.  Aber  noch  ein  pädagogischer
Grund  kommt  dazu.  Durch  den  Religionsunterricht  wird  ein  Band
zwischen  Lehrer  und  Schüler  geknüpft,  wie  es  im  Sittenunterricht  nie
der  Fall  sein  kann.  Als  Beleg  dafür  möge  einzig  das  Wort  eines
Lehrers,  der  einer  der  angesehensten  Führer  der  deutschen  Lehrerschaft
  im  Vereinswesen  ist,  seine  Stelle  finden,  wie  er  es  gelegentlich
eines  Vortrages  auf  dem  8.  Deutschen  Lehrertage  im  Jahre  18%